Claudius Caravias

Der mit dem Klang malt

Karlheinz Essl ist am Samstag 23.09.2006 mit einer Welt-Uraufführung im St. Pöltener Dom zu hören. Er malt faszinierende Bilder mit den Klängen aus Mozarts meisterhafter Musik.


Karlheinz Essl live
Foto: Helmut Lackinger
  Zu einer Begegnung der besonderen Art kommt es am Samstag im Dom zu St. Pölten. Die Besucher des Musica Sacra-Konzertes „mozart deconstructed“ erleben den Komponisten Karlheinz Essl im Rahmen einer Welt-Uraufführung in Aktion.

Essl hat sich auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik im In- und Ausland längst einen klingenden Namen gemacht. Er ist nicht in die bauMax-Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern hat sich der mit Haut und Haar der Musik verschrieben.

Nach seinem Kompositionsstudium an der Wiener Musikuniversität bei Friedrich Cerha promovierte er mit einer Dissertation über musikalische Denkprozesse bei Anton Webern. Mit seinem Instrument, dem Kontrabass, hat Essl die Runde vom Jazz über die Mittelalterliche Musik gemacht, bis er schließlich bei computergenerierten Klängen angelangt ist und seinen Weg als Komponist eingeschlagen hat.

In dieser Form erlebt man Karlheinz Essl auch bei seinem Konzert „mozart deconstructed“. Zusammen mit dem ehemaligen Domorganisten Franz Danksagmüller gewinnt er einen interessanten Zugang zur Musik Wolfgang Amadeus Mozarts. Hauptinstrumente sind die Domorgel und der Computer. Das Musikstück, das an diesem Abend „zerlegt“ wird, ist Mozarts Dissonanzenquartett KV 465, eine Komposition voller harmonischer Kühnheiten, die noch heute Rätsel über Rätsel aufgibt. Hier hat Mozart eine Musik erfunden, die sich bravourös über die tonalen Konventionen seiner Zeit hinwegsetzt und dabei weit in die Zukunft weist.

In eine Zukunft, in der zwei Musiker sich dieser Musik wieder annehmen und sie erneut auf ihre Rätselhaftigkeit abklopfen. Zudem sind diese beiden Musiker einander nicht unbekannt, Franz Danksagmüller studierte bei Karlheinz Essl auf der Anton Bruckner-Musikuniversität in Linz "Computer Aided Composition".

Wie kann eine Domorgel klingen, was für Töne ist sie imstande zu erzeugen, aus welchen Geräuschen setzt sich der Orgelton zusammen, was passiert, wenn man die Register in „unorthodoxe“ Positionen bringt und was kann ein speziell von Karlheinz Essl entwickeltes Computerprogramm dazu beitragen? Fragen dieser Art werden live bei der Klangperformance am Samstag beantwortet. Karlheinz Essl gewinnt aus der meisterhaften Musik Mozarts neue Strukturen, indem er aus ihren Bestandteilen bunte Bilder zusammenfügt, gleich einem Maler, der aus der Faszination der Farben schöpft.


in: NÖN, 18.09.2006



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Updated: 19 Sep 2006