Wolfgang Rauscher

OUT OF THE BLUE

Gespräch mit Karlheinz Essl über das Improvisationsduo OUT OF THE BLUE



Gemeinsam mit Agnes Heginger widerfuhr Karlheinz Essl in der Vorweihnachtszeit 2009 sozusagen eine künstlerische Erleuchtung. Im Rahmen seiner konzertreihe „Blind Date“ missverstand eine gebuchte Formation die Botschaft Advent, hatte sich kurzfristig aufgelöst und kam nicht. Spontan formierten sich die beiden zu OUT OFT THE BLUE.


Die Idee

„Wie immer sind die Blind Dates, die ich mehrmals pro Jahr veranstalte, ein spontanes Zusammenspiel zwischen mir und Instrumentalisten,“ erklärt Essl. „Bei Agnes Heginger ist es so, dass sie Texte mitbringt, die sie sozusagen vertont und durch die Rezitation eine bestimmte Stimmung aufbaut, die ich dann als Faden aufnehme.“ Gerne erinnert er sich etwa an einem Auftritt in der Walzenfabrik Guntramsdorf zurück, für die beide etwa die Stimmung aus dem industriellen Ambiente eine Aufgabe war, musikalisch umzusetzen: „Besonders stark war damals Agnes’ Text aus Falcos Einzelhaft, den ich bis dahin gar nicht gekannt hatte.“


OUT OF THE BLUE in der Walzenfabrik Guntramsdorf am 20.05.2011



Die Instrumente

„Mit dem m@ze°2, dem "Modular Algorithmic Zound Environment", kann ich jedes Bedürfnis nach musikalischer Umsetzung bewerkstelligen.“ Zum besseren Verständnis stellt man sich die Registrierung einer Orgel vor: „Im Grunde besteht m@ze aus zwölf verschiedenen Generatoren, die ich auf den Abend so vorbereite, wie ich ihn mir vorstelle. Einer kann etwa Samples zerlegen und daraus komponieren, es entsteht etwas ganz Neues, und doch bleibt der Spirit des ursprünglichen Klangs erkennbar.“ Essl verwendet auch das Bild einer Gartenlandschaft, „in der ich mich bewege, aber wo ich auch eingreifen uns gestalten kann.“

Agnes Heginger schätzt er im Vergleich zu Instrumentalisten in einer zweiten Hinsicht: „Nachdem sie nicht nur Sängerin ist, sondern auch Komponistin, passiert unser Zusammenspiel strukturierter. Ein Instrumentalist spielt immer nur nach vorne. Eine Komponistin, ein Komponist denkt in der Arbeit auch an formelle Zusammenhänge. Daraus ergibt sich im Zusammenwirken ein ein dramaturgischer Bogen“.


OUT OF THE BLUE im Atelier des Künstlers Johann Feilacher am 26.06.2010



Moderierende Komposition

„Die Aufführungen sind immer einmalig. Sie entstehen in der Gunst der Stunde, stehen im Zeichen partnerschaftlichen Komponierens in denen alles erlaubt ist, aber stets getragen sind von Dialogorientiertheit und dem Eingehen auf die Darstellung der Partner.“ Im Gegensatz etwa zu manchen alten Herren aus der Ecke des Free Jazz: „Da gibt es Methoden, einander zu übertrumpfen, zu zeigen, wer am smashigsten unterwegs ist, je, eben darum, wer wohl den längsten hat ...“ Und disqualifiziert somit de „Freiheit nach strengen Regeln“ als machoistisches Gehabe.


OUT OF THE BLUE bei ihrem Debutkonzert im Essl Museum am 09.12.2009



Harmonische Performance

„Ich sehe mich als Wanderer in den verschiedenen Gärten,“ versucht Karlheinz Essl seine Position gesamtheitlich zu beschreiben. „Was ich als meine Aufgabe verstehe, ist, Brücken zu schlagen.“ Ein Katalysator im zeitgenössischen Musikschaffen? „Die Klassifizierung überlasse ich anderen. Unsere Kunst entsteht im Augenblick und verschafft somit uns auf der Bühne ebenso wie unserem Publikum spontane Glücksmomente.“


Dieser Text basiert auf einem Interview, das der Autor am 16.09.2011 mit Karlheinz Essl im Wiener Café Korb geführt hat.



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Updated: 19 Aug 2016