Christian Scheib

Der Komponist Karlheinz Essl


Der 1960 geborene Karlheinz Essl komponierte für die Salzburger Festspiele nicht nur ein neues Werk für zehn im Raum verteilte Musiker im dem Titel ...wird sichtbar am Horizont; er "komponierte" auch die Zusammenstellung zweier Konzertprogramme: Musik seiner kompositorischen "Väter" Anton Webern, György Kurtag, Giacinto Scelsi, Karlheinz Stockhausen, John Cage und John Dunstable ist verknüpft mit eigenen Werken für Ensemble, Lautsprecher und computergesteuertes Klavier.

Karlheinz Essl studierte Komposition an der Wiener Musikhochschule bei Friedrich Cerha und Musikwissenschaft an der Universität Wien. Sein wissenschaftliches Dissertationsthema Das Synthese-Denken bei Anton Webern verrät zugleich einiges über seine künstlerische Herkunft und Orientierung. Das präzise analytische Denken als Erbe der Wiener Schule verbunden mit ästhetisch ins Offene gerichteten Ansätzen charakterisiert seine Musik.

Das klassisch gewordene Materialdenken, die wie selbstverständliche Verwendung heutiger Technologie und ein Spektrum an sehr unterschiedlichen Werkcharakteristika (das von exakt fixierten Partituren auf Notenpapier einerseits bis zu im Detail unvorhersehbaren Stücken, generiert von eigens entwickelten Computerprogrammen andrerseits, reicht) verbinden sich in seinem Werk.

Der gemeinsame Nenner seiner verschiedenen Werke für Orchester, als Klanginstallation oder für Ensemble läßt sich kaum mit klanglichen Kategorien, sonderngewissermaßen nur systemtheoretisch festmachen: Immer ist es die Kunst des Übergangs von einem Zustand in einen anderen, von einem System in ein anderes, von einem Klang zu anderen Klängen, der die Aufmerksamkeit gilt: dabei steht die Kunst subtiler Transformationsprozesse (als Ausdruck seiner Weltsicht) im Zentrum des künstlerischen Anliegens.

Zwei der besten Ensembles für zeitgenössische Musik, das "Ensemble Modern" und das "Klangforum Wien", interpretieren in Salzburg Werke Essl's aus den letzten Jahren: Déviation (1993), Entsagung (1991-93), Cross the Border (1994/95) und - als Auftrag der Salzburger Festspiele - ...wird sichtbar am Horizont (1996/97). Außerhlb der Konzertsäle erklingen zwei weitere Arbeiten: Die computergenerierte Klanginstallation Amazing Maze (1996) im Mirabellgarten sowie die potentiell unendliche Lexikon-Sonate (1992 ff.), ein interaktives "Klavier-Spiel-Werk" mit Allusionen and die Musikgeschichte ebenso wie an das ästhetische Programm eines offenen Kunstwerks.


© by Christian Scheib (1996) / Salzburger Festspiele


in: Salzburger Festspiele - Pressematerial für die Festspiele 1997



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Updated: 23 Dec 1998