Oh Nacht, oh Schweigen, oh todtenstiller Lärm!

Eine performative Versuchsanordnung mit Nietzsche und Wagner
von und mit Agnes Heginger (Stimme) und Karlheinz Essl (Elektronik)



Das Offene und Unerwartete ist Ausgangspunkt einer Performance des Improvisationsduos OUT OF THE BLUE, die von Friedrich Nietzsche inspiriert ist. Eine Auswahl seiner Texte, Gedanken und Gedichte dient als Material und Katalysator eines Prozesses, der sich momentan auf der Bühne ereignet und keinem vorgegebenen Plan folgt. Das Publikum erlebt hier ein autopoietisches Experiment, in dem liebevoll ausgewählte Text- und Klangfragmente zu Spielbällen werden, mit denen wir jonglieren.

Wie jedes Experiment ist auch hier der Ausgang völlig ungewiss. Auch Scheitern muss möglich sein. Es gibt kein vorab definiertes Ziel und keine bestimmte Botschaft. Dennoch aber eine lange und intensive Auseinandersetzung mit der Person und dem Denker Friedrich Nietzsches und seinem ambivalenten Verhältnis zu Richard Wagner.

Diese Versuchsanordnung entwickelt sich aus dem Nichts. Aus konzentrierter Stille und Leere tauchen nach und nach Klänge und Texte auf, die wir miteinander verweben. Wir treten in Interaktion mit dem entstehenden Raum/Klang, der Zuhörerschaft, den gesprochenen und gesungenen Worten, den Soundscapes und Geräuschen, den hörbaren und den gedachten Gedanken. Hinter diesem sich fortwährend transformierenden Gespinnst wird vielleicht etwas Neues sichtbar, das wir noch nicht kennen.



Oh Nacht, oh Schweigen, oh todtenstiller Lärm
Museumsquartier Wien, Halle G (27 Nov 2015)


The open and unexpected is the starting point of our Nietzsche-inspired performance. A selection of his texts, thoughts and poems serves as material and catalyst of a process which happens on stage spontaneously and not according to a given plan. Here the audience experiences an autopoietic experiment in the course of which affectionately selected fragments of text and sound become pawns we are juggling with.

Like with any experiment, also here the outcome is completely unpredictable. Also failure must be possible. There is no previously defined goal and no defined message. Nevertheless, there will be a long and intensive debate on Friedrich Nietzsche as an individual and as a thinker and about his ambivalent relationship with Richard Wagner.

This experimental design comes out of the blue. Out of concentrated silence and emptiness, by and by there appear sounds and texts which will be interwoven by us. We start an interaction with the developing space/sound, the audience, the spoken and sung words, the soundscapes and noises, the audible and imagined thoughts. Perhaps something new, as yet unknown, will become visible behind this constantly transforming web.


Entire performance: re-enactment at the Essl Museum (Klosterneuburg) on April 27th, 2016
Video: Simon Essl


Agnes Heginger: Stimme

Die in Klagenfurt geborene und in Wien aufgewachsene Sängerin ließ sich sowohl in Klassischem als auch in Jazz-Gesang ausbilden, und lehrt seit 2001 an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Über sich selbst sagt sie: „Ich lasse gerne meinen privaten Wahnsinn in die Luft hinaus und gebe meiner tiefen Sehnsucht nach Stille Laut. Am schönsten ist es, wenn ich wie ein Kind sehe, höre, reagiere, spiele. Manchmal ist es Magie, das habe ich besonders gerne. Es ist eine große Lust, mit meiner Stimme zu tanzen, zu fliegen!“

Im Laufe ihrer Karriere ergaben sich Zusammenarbeiten mit Friedrich Cerha, Roland Neuwirth, Willi Resetarits, Georg Breinschmid, Karlheinz Essl, Jazzwerkstatt Wien New Ensemble, Max Brand Ensemble, Paul Gulda, Plasmic Quartett, David Friedman, Bobby Previte, u.v.m.

Die vielseitige Sängerin und Komponistin spezialisierte sich in den letzten Jahren vorrangig auf Textvertonungen österreichischer und deutscher Autorinnen und Autoren.


OUT OF THE BLUE - Photography Manulli by Ania Radziszewska

Improvisationsduo OUT OF THE BLUE: Agnes Heginger & Karlheinz Essl
Photography Manulli by Ania Radziszewska


Karlheinz Essl: Live-Elektronik

Geboren 1960 in Wien. Er studierte Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien sowie Komposition bei Friedrich Cerha und elektroakustische Musik bei Dieter Kaufmann. Arbeitet als Komponist, Medienkünstler, Elektronik-Performer, Musikkurator und Kompositionslehrer.

1990-94 composer-in-residence bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. 1992-93 Realisierung eines Kompositionsauftrages des IRCAM in Paris. Unterrichtete zwischen 1995-2006 „Algorithmic Composition“ an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. 1997 Komponistenportrait bei den Salzburger Festspielen in der Reihe „next generation“. 2004 Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Musik. Seit 2007 Kompositionsprofessor für elektro-akustische und experimentelle Musik an der Musikuniversität Wien.

Entwickelt neben Instrumentalwerken und Kompositionen mit Live-Elektronik auch generative Kompositionssoftware, Improvisationskonzepte, Klanginstal-lationen, Performances sowie Internet-Projekte. Ständige Auftritte als Live-Performer mit seinem selbstentwickelten computer-basierten Meta-Instrument m@ze°2.



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Updated: 16 Dec 2016