Karlheinz Essl

Portrait KHE


RAUM • KLÄNGE

Komponistenportrait Karlheinz Essl
Di, 24. Januar 2006 - Parlament Wien

Parlament Wien


Vorwort

Schlussapplaus Konzert Säulenhalle Parlament

Säulenhalle des Parlamentes
  Musik für bestimmte Räume zu erfinden hat eine lange Tradition: bereits im 16. Jahrhundert inspirierten die gegenüberliegenden Emporen von San Marco in Venedig die dort wirkenden Kapellmeister zur Entwicklung einer neuen Kompositionsmethode der cori spezzati, die später unter dem Begriff der „Venezianischen Mehrchörigkeit“ in die Musikgeschichte eingegangen ist.

Ähnliches passiert auch dieser Tage: Als ich vor 12 Jahren einen Auftrag des Wiener Radiosymphonie-Orchesters für ein Werk erhielt, das anlässlich eines Festkonzertes in der Säulenhalle des Parlamentes uraufgeführt werden sollte, entschuldigte sich die damalige Musikintendantin Andrea Seebohm für die „katastrophale Akustik“ dieses Ortes – bei 12 Sekunden Nachhall verschwimmt Musik im Regelfall zu einem konturlosen Klangbrei. Gerade dieser Umstand machte mich jedoch hellhörig, und so verbrachte ich tags darauf einige Stunden an diesem Ort, um seine Atmosphäre auf mich einwirken zu lassen. Mein jüngster Sohn hatte gerade Laufen gelernt und wuselte fröhlich durch die marmornen Haine. Jeder Laut, den er ausstieß, zog eine lange Hallfahne hinter sich her – diese Klangbänder überlagerten sich und versponnen sich zu faszinierenden Geweben, die als dreidimensionale Gestalten nachgerade körperlich im Raum zu schweben schienen. Die Ortung der Klänge schien fast nicht mehr möglich - es entstand da vor meinen Ohren ein mehrdimensionaler Klangraum, in den ich wie in Trance einzutauchen begann.

Dieses Erlebnis war die Initialzündung für mein Orchesterstück Intervention, dessen Uraufführung wegen der damaligen politischen Umstände - Auflösung des Parlamentes und Neuwahlen - kurzfristig abgesetzt werden musste.

Heute, mehr als 10 Jahre später, wird die ortsgerechte Wiedergabe dieses Werkes endlich nachgeholt. Ich danke dem Parlament und seinem Präsidenten für die Möglichkeit, ein ganzes Konzertprogramm mit eigenen Werken um diese Orchesterstück herum gestalten zu dürfen: Kompositionen, die allesamt das unerschöpfliche Thema des Raumklanges thematisieren, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. (Karlheinz Essl)


Programm

  Faites vos jeux! (2004)
Klangspiel für räumliche verteilte Posaunen und Violoncelli

four2eight (2000)
Raum-Musik für 4 Trompeten und 4 Posaunen

Sonnez la cloche! (2003)
Electronic Sound Performance

el-emen' (2004)
Klang-Duell für Schlagzeug und Live-Elektronik

Intervention (1995)
Musik für räumlich verteilte Orchestergruppen und Hallraum


Ausführende

  exxj - ensemble xx. jahrhundert
Leitung: Peter Burwik

Günter Meinhart: Schlagzeug

Karlheinz Essl: Live-Elektronik & Klangprojektion


Werkkommentare

Faites vos jeux!

Dieses Klangspiel für räumlich verteilte Instrumentalisten ist nicht in Partiturform, sondern als Kartenspiel notiert. Es besteht aus 48 Einzelkarten mit unterschiedlichen musikalischen Motiven. Jeder Musiker erhält einen eigenen Kartenstapel, der vor dem Spiel gemischt wird. Dadurch wird eine zufällige Abfolge des musikalischen Materials erzeugt; allerdings darf der Spieler selbst entscheiden, wann er seine aktuelle Karte ins Spiel bringt und hat gewisse interpretatorische Freiheiten hinsichtlich der zeitlichen und dynamischen Gestaltung.

Da es keine von außen gesteuerte Koordination der Musiker gibt, entsteht das Stück aus der momentanen Interaktion der Spieler, die zwar nicht verhersehbar ist, aber dennoch auf ein gemeinsames harmonisches und motivisches Ausgangsmaterial rekurriert. So bleibt die systemimmanente Logik dieses Klangspiels sinnlich nachvollziehbar. (Karlheinz Essl)


four2eight

Vier Gruppen zu je einer Trompete und einer Posaune sind in den vier Ecken eines großen und sehr halligen Aufführungsraumes um die Zuhörer herum positioniert. Die Komposition gewinnt ihre akustischen Dimensionen aus der Selbstbeschränkung, die sich der Komponist bei der Wahl des Instrumentariums auferlegt hat. Der homogene Klang der Blechbläser läßt wenig koloristische Effektmöglichkeiten zu. Doch gerade aus der Enge des klanglichen Spektrums erwächst die Vielfalt der Affekte. Alle Instrumente sind mit einem Wah-Wah-Dämpfer ausgestattet, der die Ausführung der in dem Werk vielerorts auftauchenden Ein- und Ausblendevorgänge erleichtert. Diese Fade-in- und Fade-out-Prozesse – in der Natur der Blechblasinstrumente an sich nicht vorhanden – beginnen im Unhörbaren, schwellen bis zu einem bestimmten Maximum an, um wieder im Unhörbaren zu enden.

four2eight zeichnet sich durch gerade durch die filigrane Feinarbeit innerhalb der Gegebenheiten eines homogenen Klangkörpers aus. Aus der homogenen Einheit entwickelt sich eine feinstverästelte Klangvielfalt, die mit minimalen Mitteln einen maximalen Hörraum erzeugt. Dieser vielschichtigen Binnenstruktur des Werkes wohnt ein zutiefst aufklärerisches Moment inne, das in der enzyklopädischen Ausschöpfungen der Ausdrucksmöglichkeiten begründet scheint. (Christian Baier)


Sonnez la cloche!

wurde im August 2002 im Rahmen eines Open-Air-Konzertes über den Dächern von Schwaz (Tirol) uraufgeführt. Das akustische Ausgangsmaterial dieses Stückes bildet die Tonaufnahme eines einzelnen Glockenschlages. Dieses Klangsample wird in ein von Karlheinz Essl geschriebenes Computerprogramm eingespeist und dort vielfältigsten kompositorischen Prozessen unterworfen, die im Moment der Aufführung vom Komponisten mit Hilfe von verschiedenen am Computer angeschlossenen Reglern kontrolliert werden können. Dadurch ist Sonnez la cloche! nicht nur eine Klangkomposition, sondern zugleich auch ein Instrument, auf dem dieses Stück in verschiedenen Varianten gespielt werden kann.

Der Titel ist dem „Ulysses“ von James Joyce entlehnt und stammt aus der Sirenen-Episode (Kapitel XI), die von Joyce selbst als „fuga per canonem“ gestaltet wurde. Darin wird die Doppeldeutigkeit von „la cloche“ virtuos inszeniert, denn dieses Wort bedeutet nicht nur Glocke, sondern auch - Strumpfband. (Karlheinz Essl)


el-emen'

für Solo-Schlagzeug und Live-Elektronik entstand in Zusammenarbeit mit dem Percussionisten Günter Meinhart. Vier unterschiedliche Familien von Schlaginstrumenten (Fell, Holz, Metall und Keramik), die den vier Elementen zugeordnet sind, werden über Mikrophone abgenommen und in ein eigens dafür entwickeltes Computerprogramm eingespeist, das die Klangpartikel wie ein akustischer Teilchenbeschleuniger im Raum verwirbelt.

Der sich dabei aufbauende Klangstrudel wird zum Generator sich ständig verwandelnder Klanghybride – so, als würden chemische Elemente zu immer neuen Verbindungen verschmelzen. Damit erfüllt sich im Klanglichen der alte Traum von der Verwandlung der Elemente: die alchymische Hochzeit.

Im kryptischen Werktitel findet sich der Hinweis auf jene elementaren Vorgänge; zugleich aber klingt darin auch die arabische Wortwurzel für Sicherheit, Ruhe, Frieden und Schutz an. (Karlheinz Essl)


Günter Meinhart performing el-emen' at the Parlament in Vienna

Günter Meinhart bei der Aufführung von el-emen'
Säulenhalle des Parlamentes in Wien


Intervention

Zur 50-Jahr-Feier der Republik Österreich im Jahre 1995 war ein Festakt vorgesehen. Unter anderem sollte aus der Säulenhalle des Parlamentsgebäudes ein Konzert des Wiener Radiosymphoniorchesters übertragen werden. Die Nachhallzeit von zwölf Sekunden in diesem Raum läßt einmal erklungene Töne nicht so bald in Vergessenheit geraten und übertrifft darin selbst kirchliche Gegebenheiten. Die politischen Verhältnisse übertönten indes die Feierpläne, und statt zum Konzert kam es zu Neuwahlen.

Fertiggestellt war allerdings die Auftragskomposition von Karlheinz Essl, die der eigentümlichen Akustik der Säulenhalle auf den Leib geschrieben war. Jeweils sechs Musiker sitzen in den Ecken des Raumes und erzeugen einen kreisenden, sich wölbenden Klangraum. Die Hüllkurve des Halls fasst zwar alle Vielstimmigkeit zusammen und löst zahlreiche einzelne Impulse im Ganzen auf, doch oft führen kleine Ereignisse zu ausgedehnten Prozessen, weiten sich aus oder bewirken ein Umkippen des Gesamtergebnisses. Über das Publikum hinweg greifen die vier gleich instrumentierten Orchestergruppen die von den anderen gespielten Klänge und Motive auf, reagieren – der Eigendynamik ihrer Gruppe verhaftet – blockweise aufeinander oder aber treffen mit der Gesamtentwicklung zusammen.

Neben allen sozialmetaphorischen Implikationen, die auch durch den Titel unterstrichen werden, geht es in Intervention durchaus mit kompositorischer Präzision zu. Vier Formabschnitte, die unterschiedlichen Bauprinzipien folgen, gehen nahtlos ineinander über. Den Anfang macht ein leise wie aus der Eigenresonanz des Raumes entstehender polyphoner Verlauf. Das allmähliche 'Raumgreifen' der zunächst archaisch erscheinenden Klänge kulminiert in einem gemeinsamen Orchesterschlag, und mit dem zweiten Formteil setzt ein Schlagabtausch der vier Orchestergruppen ein, bei dem die einer allgemeinen zeitlichen Organisation folgenden Klangereignisse immer inhomogener werden, ins Stocken geraten und schliesslich über ein ein dichter werdendes Wechselspiel von Repetitionen der Blechbläser und gleitenden Klangflächen der Streicher in einem gemeinsamen Akkord zusammenfallen. Während dieser Schlag in der Stille verhallt, beginnt der dritte Abschnitt. Der Kontrast zwischen lautem Impuls und ruhiger Fläche verschiebt sich immer mehr: Letztere werden immer kürzer und von den sich ausbreitenden, zerfasernden Aktionen des ganzen Orchesters zunehmend verdrängt. Eine langsamer werdende Melodielinie in den Celli führt zu einer letzten Gemeinschaftstat: Das ganze Orchester stimmt sich ein auf den Ton A, der im letzten und kürzesten Formteil, einer die Einmütigkeit eintrübenden Coda, wieder verstimmt wird. (Bernhard Günther)


Ensemble XX. Jahrhundert in der Säulenhalle des Wiener Parlamentes

Das Ensemble XX. Jahrhundert in der Säulenhalle des Wiener Parlamentes


Biographien

Karlheinz Essl

wurde am 15. August 1960 in Wien geboren, absolvierte eine Ausbildung zum Chemie-Ingenieur, ehe er an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien Tonsatz bei Alfred Uhl, Kontrabass bei Heinrich Schneikart, Komposition bei Friedrich Cerha und Elektroakustische Musik bei Dieter Kaufmann studierte. Das Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien schloß er 1989 mit der Dissertation „Das Synthese-Denken bei Anton Webern“ ab. Schon früh beschäftigte sich der Komponist durch seine Mitwirkung als Kontrabassist bei verschiedenen Kammermusik- und experimentellen Jazz-Ensembles mit improvisierter bzw. nur teilweise fixierter Musik. Weitere künstlerische Studiengebiete waren und sind die Musik des Mittelalters und der Renaissance.

Bereits früh stellte Essl den Begriff des Komponisten als autonomer Urheber und die traditionelle Aufführungspraxis als Reproduktion von Präfixiertem in Frage. Untersuchung über die Fomalisierbarkeit musikalischer Prozesse – gemeinsam mit Gerhard Eckel – und die Auseinandersetzung mit seriellen Denkansätzen führte über einen engen Kontakt zu Gottfried Michael Koenig („Instituut voor Sonologie“ in Utrecht / Den Haag) schließlich zur Entwicklung von Software-Environments für „Computer Aided Composition“ und der „Realtime Composition Library for Max“ für algorithmische Komposition in Echtzeit (begonnen am 1992 am IRCAM in Paris). Seit 1996 entwickelt Essl das computer-basierte Software-Instrument m@ze°2, das er in seinen Musikperformances und Improvisationsprojekten einsetzt.

Die künstlerische Begegnung mit Performern, zeitgenössischen Autoren, bildenden KünstlerInnen und Architekten hat Essls Begriff von einer zeitgemäßen Musik jenseits traditionsgebundener Realisations-muster in die Tat umgesetzt – u.a. Zusammenarbeit mit dem „Sprayer von Zürich“ Harald Naegeli für Partikel-Bewegungen (1991), Andreas Okopenko für Lexikon Sonate (1992 ff.), der Architektin Carmen Wiederin für Klanglabyrinth (1992–1995), der Videokünstlerin Vibeke Sørensen für MindShipMind (1997) sowie den bildenden Künstlern Hermann Nitsch und Fabrizio Plessi.

Zwischen 1990 und 1994 war Essl composer-in-residence bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Neben seiner Lehrtätigkeit am „Studio for Advanced Music & Media Technology“ der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz betreut er als Musikintendant der Sammlung Essl Konzertreihen mit Neuer, experimenteller und improvisierter Musik. Lehraufträge und Vorträge führten ihn u.a. an (Musik)Universitäten in Wien, Graz, Toronto, Kopenhagen, Prag, Florida, Groningen, Osnabrück, Köln, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Stuttgart sowie nach Bern, Zürich und Basel.

1997 wurde Karlheinz Essl bei den Salzburger Festspielen im Rahmen der Reihe „Next Generation“ in zwei Portraitkonzerten präsentiert. 2003 war er artist-in-residence des Festivals „musik aktuell“, 2004 am Brucknerhaus in Linz.

Kompositionsaufträge erhielt Essl u.a. von Wiener Konzerthaus, ORF-Kunstradio, Musikprotokoll (Graz), IRCAM (Paris), Mürztaler Werkstatt, Salzburger Festspiele, dem Festival Wien Modern sowie von Ensembles wie Klangforum Wien, Ensemble Recherche (Freiburg), Trio accanto (Freiburg), Champ d’action (Antwerpen), Ensemble „die reihe“ (Wien), Radio Symphonieorchester Wien, Studio Percussion graz, Orpheus Trio (Wien), Elision Ensemble (Brisbane), Wiener Saxophonquartett. Für seine kompositorische Tätigkeit wurde er u.a. mit dem Adolf-Schärf-Preis der Stadt Wien (1988) und dem Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Musik (2004) ausgezeichnet.


Günter Meinhart

1957 in Graz geboren. Studium, Familiengründung und Wohnsitz in Graz mögen die Verbundenheit und Liebe zu dieser wunderschönen Stadt bestätigen. 1981 – 88 Schlagzeuglehrer an der MS Liezen. 1985 – 87 Leiter des Musikreferates im Forum Stadtpark.Von 1988 – 95 Direktor der Musikschule Ilz. Seit 1993 Leiter der STUDIO PERCUSSION - Schlagzeugschule.Seit 1995 Lehrer an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz (Schlagzeug, Kammermusik, Pädagogik)

Mit den eigenen Formationen STUDIO PERCUSSION graz und ORCHESTERFORUM zahlreiche Produktionen (minimal moving, Der deutsche Schlager am Ende des 20. Jahrhunderts, Glasohrenmenagerie, Aus dem Liederbuch der Grenzgänger, Die dunkle Seite des Würfels, Arsis, Ballo Ballone, Madame Cora, La Ballade)

Zusammenarbeit mit Ensembles, Orchestern und Solisten wie Austrian Art Ensemble, Grazer Philharmonisches Orchester, ensemble xx. jahrhundert (Wien), EAV, Steve Reich, Percussion Project Robyn Schulkowsky, Ernst Kovacic, HRT-Radiosinfonieorchester Zagreb, Slowenische Nationalphilharmonie, Musyl & Joseppa, Christian + Wolfgang Muthspiel, John Preininger, OPUS, Chamber Orchestra of Europe u.a.

Konzerte und Musiktheaterproduktionen in / bei: Styriarte, Wiener Festwochen, Salzburger Festspiele, ars electronica, Seoul Drum Festival, Brucknerfest Linz, Steirischer Herbst, New York – festival mostly modern, Dubrovnik Festival, Music Biennale Zagreb, La Strada - Graz, Musikverein Wien, Jazzfestival Izmir, Narodni Dom Maribor, Konzerthaus Wien, Berliner Festspiele - maerzmusik, Journees de la Percussion – Paris, Osterfestival Innsbruck, Budapest, Jazzfestival Burghausen, Festspielhaus St. Pölten, Thessaloniki, Athen, Korfu, Istanbul, Ankara, Konzerthaus Berlin, musica contemporanea – Bolzano, Porgy & Bess – Wien, Pula, Lille, Strasbourg, Theaterfestival München, Jazzfestival Rom, Warschauer Herbst, Prag.

„Ich liebe es, in einem Raum – sei er groß oder klein - die Konturen des Klanges erlebbar zu machen, gleich einem Bildhauer, der aus einem Marmorfelsen eine Pietá zaubert.“


Peter Burwik

erhielt seine Dirigentenausbildung an der Wiener Musikakademie bei Hans Swarowsky und promovierte zum Doktor der Theaterwissenschaften an der Universität Wien - weiterführende Studien und enge Zusammenarbeit mit Bruno Maderna in Salzburg und Darmstadt beeinflußten Burwiks musikalische Entwicklung gleichermaßen nachhaltig.

1971 gründete das ensemble xx.jahrhundert in Wien, das er seither leitet. Neben zahlreichen Konzerten bei den Wiener Konzerthäusern und im ORF, folgte er mit dem Ensemble zahlreichen Einladungen zu renommierten Festivals wie: Salzburger Festspiele, Berliner Festwochen, Edinburgh Festival, Warschauer Herbst, "Musica" Strasbourg, Festival de Lille, IRCAM Paris, Huddersfield-Festival, Hong Kong Arts Festival, Lugano, Baku, Genf, Moskau, Mexiko . Zudem war Burwik Gast bedeutender Orchester. So leitete er etwa die Wiener Symphoniker, das RSO Berlin, das Orchestre Philharmonique Paris, das WOS Katowice, das NDR-Symphonieorchester Hamburg sowie das ORF-Symphonieorchester, das Sym-phonieorchester des SF-Stuttgart, das Rundfunkorchester in Lissabon und das Orchestre National de Lille. Seine Tätigkeit als ständiger Gastdirigent bei der Mährischen Staatsphilharmonie (1991-94), die ausschließlich dem klassischen und romantischen Repertoire gewidmet war, beendete Burwik mit einer Aufführung der 2. Symphonie von Gustav Mahler.

Seit 1987 unterrichtet Peter Burwik an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst.


exxj - ensemble xx. jahrhundert

Dieses Solisten-Ensemble wurde 1971 von seinem Leiter Peter Burwik gegründet und formiert sich aus ersten Mitgliedern der großen Wiener Orchester und freischaffenden Instrumentalisten. Sein Ziel ist es, die Musik des 20. Jahrhunderts bekannt zu machen und das Gegenwartsschaffen zu fördern. Unter diesem Aspekt wurden und werden zahlreiche Kompositionsaufträge an in- und ausländische Kompo-nisten vergeben.

Einen wesentlichen Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Auseinandersetzung mit dem Schaffen von Schönberg, Berg und Webern - und folglich reicht sein Repertoire von der "Wiener Schule" und Vertretern der klassischen Moderne bis hin zu Berio, Boulez, Saariaho, Stockhausen, Pärt, und Klaus Huber. Zahlreiche Vertreter des internationalen Gegenwartsschaffens wurden vom ensemble xx. jahrhundert in Wien erstmals umfassend in Portrait-Konzerten vorgestellt, etwa Steve Reich, Vinko Globokar, Morton Feldmann, Younghi Pagh-Paan, Emanuel Nunes und Barbara Kolb.

Das Ensemble blickt seit seiner Gründung auf eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland zurück.. Neben zahlreichen Auftritten in Wien - im Wiener Konzerthaus, im Rahmen der Wiener Festwochen, bei "wien modern" oder im ORF, mit dem schon seit 1975 eine intensive Zusammenarbeit besteht - war das Ensemble auch oftmals in den Bundesländern zu Gast, wie beim Steirischen Herbst, beim Carinthischen Sommer oder beim Linzer Brucknerfest. Darüber hinaus wurden auf Konzertreisen in Frankreich, Belgien, Polen, Deutschland, Schweden, Italien, England, Rußland, Aserbaidjan und in der Schweiz wichtige aktuelle Programme präsentiert.

Von den zahlreichen internationalen Festivals, zu denen das Ensemble eingeladen war, seien nur die Salzburger Festspiele, die Wiener Festwochen, das Edinburgh-Festival, die Berliner Festspiele, das Hong Kong Arts Festival, jenes von Huddersfield, der Warschauer Herbst, Musica (Strasbourg) und das Enescu-Festival in Bukarest erwähnt.

Nach der Uraufführung von „Fear Death by Water“ von Franz Koglmann am 18. März 2003 im Wiener Museums Quartier und Konzerten im Jazz Club Porgy & Bess und im Arnold Schönberg Center Wien beschäftigt sich das Ensemble verstärkt mit der Präsentation grenz- und genreüberschreitender Kompositionen, sei es mit dem Projekt „Alter Wiener Musik“, bei dem Komponisten unterschiedlichster stilistischer Positionen zur Auseinandersetzung mit originalem Volksliedgut animiert werden, sei es mit der in vier Festivals geplanten Präsentation von zeitgenössischen Kompositionen aus China, Mexiko, Aserbajdschan, Kaukasus Ländern und aus Südamerika. Weiters sind grenzüberschreitende Projekte mit österreichischen zeitgenössischen Literaten geplant.


Literatur

Alfred Koch: Die Erfindung des Unbekannten. Der Komponist und Musiker Karlheinz Essl
Ein Radiofeature der Ö1-Tonspuren (Erstsendung: 9 Jun 2006)



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Updated: 6 Jan 2016