Karlheinz Essl

Entsagung

for flute, bass clarinet, piano, percussion and interactive sound environment
1991-93



Nootjes uit de lottoballenmachine (Jacqueline Oskamp)
in: De Volkskrant (Amsterdam, 28 Oct 1993)

De nieuwsgierigheid ging uit naar de IRCAM-opdrachten voor het "Nieuw Ensemble". Het uitgangspunt van de Oostenrijker Karlheinz Essl doet voor iemand die toch moet kennen lezen en schrijven met geavanceerde technologie wat gedateerd aan. In Entsagung speelt hij de tegenstelling tussen mens en computer tegen elkaar uit. De vier instrumentalisten (op fluit, basklarinet, piano en slagwerk) beginnen hun discours aanvankelijk wat hakelend en stotterend, maar vinden zichzelf en elkaar, zodat uit de steed duidelijker gearticuleerde frasen ook een hecht samenspel groeit. Dat laat de electronica niet op zich zitten. Even ontstaat er een spannend moment waarop de musici in een langzaam dreigend marstempo aanzwellen en de synthesizer met strijdlustige kreten antwoordt.


Beim den Computer-Klängen ist die Technik der Ästhetik weit voraus (Heinz Rögl)
in: Salzburger Nachrichten (Salzburg, 9 Nov 1993)

Am Samstag gab es eine IRCAM-Komposition des Österreichers Karlheinz Essl (Entsagung für Flöte, Baßklarinette, Klavier und Schlagzeug und interaktives Klang-Environment) zu hören, die der Komponist in einem Workshop auch selbst präsentierte: Essl, der Teile der computerunterstützten Komposition zum Teil,auch "zu Hause" (der Stand der Technik macht dies bereits möglich) herstellte, ist es ohrenfällig gelungen, sich nicht von den Lockungen der Technologie des IRCAM verführen zu lassen und deshalb das eigene klare Konzept aus den Augen zu verlieren. Ein anfängliches, langsam komplexer werdendes Gestammel und Geflüster der vier Instrumente wird allmählich als Raumresonanz projiziert, bis die künstliche Computerklangwelt immer bestimmender vom Kommentator zum Dominantor wird. Obschon die Instrumente im Verlauf des Stückes miteinander zu "sprechen" lernen, werden sie von den Lautsprecherklängen in den Hintergrund gedrängt und zum Verstummen gebracht.

Essl's Gespür für Rhythmik, sein kluges Disponieren zwischen gesteuerter und zufälliger, verselbständigter musikalischer Entwicklung hat zu einem interessanten Ergebnis geführt.


Klangzerstäubung durch spontane Elektronik (Reinhard Kager)
in: Der Standard (Wien 8.11.1993)

In zwei Konzerten bei "WIEN MODERN" waren auch akustische Ergebnisse zu hören. Elektronische Verarbeitung in Echtzeit - das bedeutet, die Klänge der Instrumente werden direkt transformiert oder von synthetischem Material durch Computerprogramme überlagert.

Letzteres bestimmt Karlheinz Essl's Entsagung, ein formal gut überschaubares Stück voll Klang-Raffinement: Gestammelte Instrumentalfetzen werden fast unmerklich von elektronischen Klängen unterstützt, die sich in dem Maße selbständig machen, in dem der Instrumentalklang sich zu konsolidieren beginnt. Ein jäher Blow-Up der Elektronik drängt die vier Instrumente endgültig ins Off. Doch am Ende zerstäuben auch die synthetischen Klänge.


Der Raum: "virtuell" und doch auch ziemlich konkret (Reinhard Kriechbaum)
In der Festspiel-Reihe "Next Generation": Karlheinz Essl, geboren 1960 in Wien
in: Salzburger Nachrichten (Salzburg 8.8.97)

(...) Karlheinz Essl ist bei weitem nicht so sehr Konstruktivist und von der Technik besessen, wie in der selbstgewählten Verunstaltung seines Namens (er schreibt das a mit dem Computersignum des "Klammeraffen") anklingen mag. Er ist ein präziser Denker in Klangfarben. Das Spaltende, sich voneinander absetzende interessiert ihn eher als die Synthese.

Die Entsagung, mit der das Konzert begonnen hatte, gehört zum Besten, was mir seit Jahren an live-elektronischer Musik untergekommen ist. Da dient die Elektronik nicht zur klangspektralen Erweiterung, sondern wird als eigene Sprache, als Trägerin einer eigenen Ästhetik eingeführt: Das Ensemble (Flöte, Baßklarinette, Klavier, Schlagzeug) tastet sich aus einer Nebelzone des Hauchens vor zu einer konkreten musikalischen Verständigung. Doch dann legen sich elektronische Klänge wie beiläufig darüber, gewinnen immer mehr an Volumen und schließlich soweit die Oberhand, daß die Beiträge der akustischen Instrumente verstummen.

Daß sich die Klänge aus den Lautsprechern verflüchtigen, könnte man als Hoffnungs-Indiz nehmen: Der Sieg der Elektronik man nur von kurzer Dauer sein. Auch das ist jedenfalls Musik mit einer sehr eigenständigen Aura, was die Erfindung für die Instrumente angeht. Die Technik wird mit einer souveränen Selbstverständlichkeit gehandhabt.


Salzburg modern (Jürg Stenzl)
in: Falter 33/97 (Wien, August 97)

Am überzeugendsten erscheint Essl dort, wo er, wie in Entsagung (1991-93), eine einfache Disposition - vier Instrumentalisten stehen Klängen aus vier Lautsprechern gegenüber und wirken aufeinander ein - kontinuierlich mit viel Sinn für klangliche Valeurs realisiert.


Raum voller Geräusche (Edith Jachimowicz)
in: Die Presse (Wien, 8.8.97)

Essl gehört zu jener Garde der komponierenden Intellektuellen, die sich intensiv mit den Phänomenen Klangraum und Raumklang auseinandersetzen. Sein jüngstes Werk hat er nach eigenen Angaben für den Großen Saal des Mozarteums geschaffen, für dessen traditionelle Form mit Guckkasten-Podium und um den Zuschauerraum herumlaufender Galerie. Auf Podium und Galerie verteilt er daher die Musiker, läßt sie Klänge und Geräusche in den Raum stellen, damit aufeinander reagieren oder das eigene Raumklangerlebnis weitertragen.

Auch das zweite, von Essl gewählte Stück Entsagung für vier Instrumentalisten und vier im Raum verteilte Lautsprecher beruht auf diesem Schema. Bewundernswert in beiden Fällen: die Musiker des Ensemble Modern, die mit Finesse die schier unzähligen Geräusch- und Klangvaleurs produzierten.


Neues im Geist der Väter (Robert Wolf)
in: Salzburger Volkszeitung (Salzburg, 8.8.97)

In der Komposition Entsagung für 4 Instrumentalisten und 4 Lautsprechern übertrug Karlheinz Essl sein Hörerlebnis in eine genau fixierte Partitur. Das Flüstern der Instrumente entwickelt sich zu einer lebhaften Wechselrede, die Lautsprecher mischen sich ein und gewinnen Oberhand. Die Instrumente versinken in Lautlosigkeit. Der Vorgang läuft mit äußerster Präzision ab, doch möchte man dem Komponisten wünschen, daß er sich mehr von den unberechenbaren inneren Regungen leiten läßt.


Klang-Kräfte im Raum (HL)
in: Neue Kronen Zeitung (Wien, 8.8.97)

"Raum-Klang im Klang-Raum" ist für Essl eine maßgebliche Dimension. Die umzusetzen ihm fantastisch gelang in Entsagung, wo in einem Ablösungsprozeß Elektronik-Klangprojektionen das Geschehen bestimmen. Nicht so ganz überzeugend die Uraufführung ...wird sichtbar am Horizont: Prächtig gebaut, jedoch mit zu wenig Spann- und Raumkraft.


Karlheinz Essl - Rudiments (Paul Clark)
in: www.electronicmusic.com (May 1998)

One of the few modern composers who incorporates the sound of electronic musical equipment into his highly unusual and multi dimensional scores is also doing great things for electronic music in general, namely bringing the possibilities of a single instrument capable of limitless expression (i.e. the common or garden synthesizer) to the attention of those who invariably turn off at the thought of anything that has to be turned on before it'll work.

A native of Austria, Karlheinz Essl is fast making his mark in the classical music world. Capable of producing a myriad of emotive and effective statements without overstatement of the obvious or traditional.

Entsagung, track five on the compilation CD Rudiments, includes some of the most subtle interplays between acoustic and electronic instruments that I've ever heard on a modern classical recording, and although my experiences listening to such works range from those produced by the likes of Wendy Carlos, Karlheinz Stockhausen and Paul Lansky, I do believe I know enough about the deeper side of electronic music to realise that what he is doing is up there with the best around.


ATMOSPHERIC AND AMBIENT CHAMBER MUSIC (Peter Mechen)
in: Newspaper Wellington, New Zealand (March 2001)

(...) This was a work for four instrumentalists and tape, begun by the musicians with an ambient dialogue whose coherence was gradually undermined by the ever-increasing hegemony of loudspeaker sounds. Eventually the ensemble's "fierce partnership" collapsed towards the end of the piece, the tape sounds asserting dominance and silencing the instruments - here I couldn't help feeling the intensely dramatic nature of this subjugation might have been more theatrically expressed by the players (shades of Haydn's "Farewell" Symphony, perhaps?).

(...) But the Essl work for me represented a case in point, the music's graphic depiction of conflict and usurpation seeming to invite some kind of visual manifestation of the same - a simple movement, perhaps, or a change of aspect or body language on the part of the players, in accord with the music's purpose. (...)



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Updated: 8 Sep 2009