Karlheinz Essl & Agnes Heginger

OUT OF THE BLUE


Karlheinz Essl & Agnes Heginger: OUT OF THE BLUE



Die Crème de la Crème der Liebe (Ingrid Reichel)
in: LitGes - Literatur und so weiter (22 Oct 2012)

Spannungsgeladen erwartete nicht nur das St. Pöltner Publikum, sondern auch Initiator Peter Kaiser die Musik-Matinee im St. Pöltner Stadtmuseum im Rahmen des Literaturfestivals Blätterwirbel, denn die Sängerin Agnes Heginger und der Elektronik-Komponist Karlheinz Essl jr. gaben freie musikalische Improvisationen von österreichischer Lyrik zum Besten.

Agnes Heginger wurde 1973 in Klagenfurt geboren, ist aber in Wien aufgewachsen. Sie ist nicht nur Sängerin sondern auch Gesangspädagogin und Gesangsdozentin an der Jazzabteilung der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz.

Karlheinz Essl jr., der älteste Sohn des bau-Max Unternehmers und Kunstsammlerpaares Agnes und Karheinz Essl sen., wurde 1960 in Wien geboren. Er ist in erster Linie Komponist, aber auch Elektronik-Performer sowie Kompositionsprofessor für elektro-akustische und experimentelle Musik an der Musikuniversität Wien. Sein Interesse an spartenübergreifenden Projekten brachten ihn nicht nur mit bildenden mit Künstlern wie Jonathan Meese und Hermann Nitsch zusammen, sondern auch mit Autoren.

Zum Literaturfestival Blätterwirbel 2012 gab es daher nur das Feinste der österreichischen Lyrik. Schwerpunkt war der gesellschaftskritische österreichische Autor Peter Turrini (geb. 1944 im Lavanttal, Kärnten). Mit namenlosen Gedichten wie den Achtzeiler Wenn du mich anrufst

Wenn du mich anrufst
läutet das Telefon.
Die Lampe läutet.
Der Ofen läutet.
Das Zimmer läutet.
Die Aussicht vor meinem Fenster läutet.
Es läuten die Glocken der Befreiung vom Warten.

Peter Turrini: Im Namen der Liebe (Frankfurt am Main 2005)

konnten Heginger und Essl skurrile Raumvorstellungen und nicht definierbaren Verzerrungen vermitteln.Turrinis Liebe, Liebe bekam einen rockigen, poppigen Drall, der in nahezu Orgiastisches mündete. Von kreischigen, tierischen Lauten ging Hegering zu zivilisierten arienhaften Tönen über. Aber auch Hertha Kräftners Beschwörung eines Engels, Ingeborg Bachmanns Unterricht in der Liebe, H.C. Artmanns Mein Herz des im Jahre 2000 verstorbenen österreichischen Poeten:

mein herz ist das lächelnde kleid eines nie erratenen gedankens
mein herz ist die stumme frage eines bogens aus elfenbein
mein herz ist der frische schnee auf der spur junger vögel
mein herz ist die abendstille geste einer atmenden hand
mein herz liegt in glänzend weissen kästchen aus mosselin
mein herz trägt einen seltsamen tierkreis aus zartestem gold
mein herz schlägt fröhlich im losen regnen der mittwintersterne

sowie Rainer Maria Rilkes Liebes-Lied wurden erfolgreich vokal und instrumental aus dem Stegreif ausgeführt.

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu anderen Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?O süßes Lied.

Das St. Pöltner Publikum war dementsprechend begeistert. Eine Matinee ohne schnulziges Gesabber über die Liebe, einfach toll!



Karlheinz Essl und Agnes Heginger präsentieren „Out of the Blue“ (Michael Ternai)
in: music austria (18 May 2011)

Ein aus musikalischer Sicht hoch interessantes Aufeinandertreffen steht am 20. Mai 2011 im Museum Walzengravieranstalt in Guntramsdorf auf dem Programm. Mit der Vokalistin Agnes Heginger und dem Elektroniker und Komponisten Karlheinz Essl begegnen sich an diesem Abend zwei KünstlerInnen, die schon oftmals, unabhängig voneinander, in unterschiedlichen stilistischen Kontexten eindrucksvoll ihr enormes Musikverständnis unter Beweis gestellt haben. Unter dem Titel „Out of the Blue“ begeben sich Agnes Heginger und Karlheinz Essl gemeinsam auf eine vom Geiste der Improvisation getragene Klangreise, die durch die unterschiedlichsten Spielformen und musikalischen Ansätze der zeitgenössischen Musik führt.

Es war Dezember 2009 als Agnes Heginger und Karlheinz Essl erstmals aufeinandergetroffen sind. Ohne sich groß vorzubereiten, traten sie vor das Publikum und starteten eine musikalische Performance, die schlicht in Erstaunen versetzt hat. Es war vor allem die Art, mit welcher die beiden Musik - vorwiegend elektronische und elektroakustische - und Sprache zu einem runden Ganzen zu vereinigen wussten, die beindruckte. Als Ausgangspunkt dienen dem Duo Gedichte von Ingeborg Bachmann, Hertha Kräftner, Joachim Ringelnatz und anderen, welche in ein klangliches Gewand gehüllt, einer neuen Interpretationsebene zugeführt werden. Wiewohl diese sich erst aus dem improvisatorischen Dialog zwischen den beiden entsteht. Somit ist zu Beginn einer gemeinsamen Performance von Agnes Heginger und Karlheinz Essl niemals wirklich voraussagbar, in welche Richtung die musikalische und klangliche Reise tatsächlich gehen wird. Möglich ist alles. Und genau dieser Aspekt macht das gemeinsame Projekt dieses Zweiergespanns auch so spannend.

Wer die zahlreichen, im Stile ungemein vielschichtigen Arbeiten und Projekte der Sängerin und des Komponisten und Elektronikers kennt, der kann erahnen, dass hier nicht nach herkömmlichen musikalischen Begrifflichkeiten operiert wird. Es handelt sich bei den beiden um echte Freigeister, die sich in ihrem Schaffen seit je her allen Kategorisierungsversuchen entziehen. Das weite Feld der Musik wird als eines begriffen, welches es in künstlerischer Form zu bearbeiten gilt. Egal in welchem Kontext auch immer. Es geht um die Erforschung neuer Ausdrucksmöglichkeiten, um den experimentellen Zugang, der oftmals zu überraschenden Ergebnissen führt.

Wenn sich Agnes Heginger und Karlheinz Essl gemeinsam die Bühne teilen, ist ein außergewöhnliches Hörerlebnis quasi garantiert. Aus diesem Grund sollten sich Liebhaber anspruchsvoller Klänge, diese wunderbare Gelegenheit auch nicht entgehen lassen.



KARLHEINZ ESSL & AGNES HEGINGER – Out of the Blue (Dezi)
in: MUSIC MUSINGS AND MISCELLANY (3 May 2010)

XS Records of Lisbon have been one of the best netlabels around that specialises in what the Wire used to call ‘Outer Limits’ music. All of their recordings have been professionally put together, and all have been available for free. Now, after 72 releases, the label is to shut up shop as the founders concentrate on other things. As a parting shot, they’ve left the world three new albums of improvised music.

Karlheinz Essl has long been a mainstay of the label. His collaboration with soprano Agnes Heginger, OUT OF THE BLUE, was recorded at the Essl Museum in Vienna in 2009. The six tracks are comprised of three collaborations, two solo works by Heginger and one by Essl. It’s a distinctly mixed bag. Too much is random clatter (Essl’s solo piece) or irritating vocal tics and general arseing about. There are two tracks, though, that make the project worthwhile. The closing scat ‘n’ drone piece Groovin’ Out comes across as Phill Niblock meets Ella Fitzgerald. It’s Action Rituelle that truly stands out. It’s the one track where Heginger really shows what she can do with her voice. Essl provides a backdrop of loops and samples, including suitably angelic choral bursts that sound like they could have come straight out of an eighties Fairlight emulator. Over this, Heginger pulls out an extraordinary performance of astonishing purity. Like something beamed in from a fourteenth century Latin Mass, she creates an atmosphere of calm wonder and great beauty. Stunning.



Agnes Heginger & Karlheinz Essl – Out of the blue [xs72]
in: Netlabels & News (7 May 2010)

Quizá la portada al estilo old fashion no le favorece mucho al disco pero las maravillas que podemos encontrar dentro lo compensan por mucho. Grabado en vivo en el Essl Museum apenas en Diciembre del año pasado. Todo a cargo de solo dos personas. Salvo la voz y el Kalimba la improvisación se realiza con medios electrónicos y digitales pero en ningún momento parece música de laptop. Esto se debe a la prodigiosa voz y ejecución de Agnes Heginger quien con su canto me trae a la mente figuras como Hildegard Von Bingen, pero no se limita a eso también tiene una forma espeluznante de recitar que me recuerda a Susan Reed de Raumwerk o a Cathy Berberian y John Cage en su Aria y Fontana Mix de 1958. También es por Karlheinz Essl, que despliega una cuidadísima gama de sonidos que logran crear atmósferas específicas aunque incoercibles. Escuchar este disco es emocionante, mas aún si uno esta con gente que no conoce uno bien, pruebe a ponerlo y observe si las caras se transforman al paso de las pistas. El dúo sabe lo que hace, aún improvisando, que es lo mejor.



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Updated: 19 Aug 2016