Karlheinz Essl

Portrait KHE

blurred

for alto flute, cello and vibraphone and live-electronics
2007/2011


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Karlheinz Essls „blurred“ ist eine sehr geschickt komponierte, zum Teil zart und zerbrechlich wirkende 15-minütige Komposition, die sicher zum Besten gehört, was ich an Musik aus dem 21. Jahrhundert bislang gehört habe. Es ist teilweise wahrhaft atemberaubend, wie der Komponist aus nur drei Instrumenten (Flöte, Vibraphon und Violoncello) sowie Live-Elektronik (die der Komponist bei der Aufnahme selbst bediente) ein vermeintlich „großes“ Ensemble erstehen lässt und wie sich daraus ein Gespinst aus Klängen formt.

Rainer Aschemaier in: The Listener, 5. Mai 2012


Karlheinz Essls blurred in der Fassung für Altflöte, Vibraphon, Violoncello und Live-Elektronik taucht in gänzlich andere Klangwelten ein. Der Titel ("vernebelt", "verschwommen", "verwischt") verrät bereits, dass es weniger um spezifischen Klang der unterschiedlichen Instrumente als um ein übergeordnetes Ganzes geht. Musiker, Dirigent und Live-Elektronik interagieren und schaffen erst dadurch eine Möglichkeit der Realisierung. Das Klangmaterial wird beherrscht von Triller- ud Tremolofiguren. Der "jenseitige", ferne Klang erhält eine ungeahnte Tiefenwirkung, wobei die Instrumente zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verschmolzend werden.

Rainer Hauptmann in: ÖMZ 03/2011


Programmnotiz

english
In this piece, three instruments from completely different families - an alto flute, a cello and a vibraphone - tangle up in a subtly balanced sonic web. The individual character of each instrument is abandoned for the sake of the whole ensemble; though tendencies of individualisation become noticeable. These two opposing natures exist in an instable equilibium, creating an eventful play with sounds from which distinctive shapes emerge. From time to time the flow of music is halted, giving room for the electronics: live recorded fractions of the score are fed into a sort of "particle accelerator" and swirled around in space through a set of four loudspeakers. A kind of sonic fog emerges which condenses and transcends the sounds of the instruments. Both sound worlds - the instrumental one and the electronic one deduced from it - blend together and create a greater whole. Through the interaction between musicians, conductor and the composer who operates the live-electronics, one possible realisation of the piece comes into existence.


deutsch
Drei Instrumente aus ganz unterschiedlichen Familien - eine Altflöte, ein Cello und ein Vibraphon - verknäueln sich in diesem Stück zu einem fein ausdifferenzierten Klanggespinst. Der individuelle Charakter der einzelnen Instrumente wird zugunsten eines übergeordneten Ganzen aufgegeben, gleichzeitig machen sich aber auch Tendenzen zur Individualisierung bemerkbar. Diese beiden gegensätzlichen Erscheinungsformen befinden sich in einem labilen Gleichgewicht und erzeugen ein bewegtes Klangspiel, aus dem immer wieder charakteristische Gestalten in den Vordergrund treten.

Von Zeit zu Zeit wird der Fluß der Musik durch Fermaten angehalten und schafft Raum für die Elektronik: live aufgenomme Teilmomente der Partitur werden in einer Art Teilchenbeschleuniger eingespeist und über vier Lautsprecher im Raum verwirbelt. Eine Art Klangnebel entsteht, der die instrumentalen Klänge verdichtet und transzendiert. Beide Klangwelten - die instrumentale und die daraus abgeleitete elektronische - verbinden sich wiederum zu einem neuen, übergeordneten Ganzen. Erst durch die Interaktion zwischen den Musikern, dem Dirigenten und dem Komponisten, der die Live-Elektronik bedient, entsteht während jeder Aufführung *eine* mögliche Realisierung des Werkes.


blurred performed by exxj (dir. Peter Burwik) and Karlheinz Essl
Music Conservatory Klagenfurt, 2 Mar 2011


Score

The score of blurred can be downloaded for free. Please note that the music is protected by copyright.
There are two scores for this piece: one for the instrumental part, and on for the live-electronics:


blurred, page 3a
blurred, page 3b

blurred, pages 3a and 3b from the score
© 2011 by Karlheinz Essl


Live-Electronics


Live electronics for blurred: Graphical User Interface
© 2011 by Karlheinz Essl
  Alle Instrumente werden über Mikrofone abgenommen (1x dpa Headset-Mikrofon für Altflöte, 1x dpa Mikrofon für Cello, 2x Neumann KM 184 für Vibraphon) und in ein Audio-Interface mit mindestens 4 Mikrofonvorverstärkern eingespeist. Die Surroundton, der 4-kanalig aus dem Audiointerface kommt, wird auf vier Lautsprecher wiedergegeben, die um das Publikum aufgestellt sind, wobei die Eckpunkte eines gedachten Quadrates die Lautsprecherpositionen bestimmen.

Die Live-Elektronik basiert auf einem in Max/MSP geschriebenen Computerprogramm, das von einem zusätzlichen Musiker bedient wird, dessen Part in einer eigenen Partitur notiert ist. Bestimmte Ausschnitte aus der Partitur (in der Elektronik-Partitur schwarz umrahmt) werden während der Aufführung mit Hilfe eines Fußpedals (Schweller, z.B. Roland EV-5), das mit dem linken Fuß bedient wird, in eine Art "Teilchenbeschleuniger" eingespeist, der die Klänge verdichtet und im Raum verwirbelt. Mittels eines zweiten Fußpedals, das mit dem rechten Fuß bedient wird, wird die Lautstärke der Live-Elektronik reguliert, gemäß den Dynamikangaben unterhalb der Notensystemen in der Elektronik-Partitur.

Darüberhinaus wird dieser Klangstrom auch klanglich transformiert, was mit Hilfe einer MIDI-Faderbox (z.B. Evolution UC-33) bewerkstelligt wird. Angaben dazu stehen über den Notensystemen in der Elektronik-Partitur.

Die Partitur gliedert sich in 26 Abschnitte, die durch eingerahmte Zahlen markiert sind. Vor jedem Abnschnitt steht eine Fermate, in denen die live gespielte Musik angehalten wird, um den elektronischen Klängen Raum zu geben. Die Dauer der Fermaten soll im Zuge der Probenarbeit fixiert werden, wobei die eckige Fermaten in der Elektronik-Partitur länger zu halten sind.


Videos



blurred: Dublin Sound Lab conducted by Michael Quinn
Karlheinz Essl: live-electronics
Project Arts Centre Dublin, 21 Oct 2011


Demonstration of blurred: ensemble xx. jahrhundert conducted by Peter Burwik
Karlheinz Essl: live-electronics
3raum-Theater Wien, 28 Feb 2011


The Making of blurred: Karlheinz Essl im Gespräch mit Mirjam Jessa
3raum-Theater Wien, 28 Feb 2011


Karlheinz Essl premiering the solo version blurred
Portrait Concert Karlheinz Essl
CMMAS Morelia, 26 Aug 2011


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Updated: 14 Aug 2016