Karlheinz Essl

Portrait KHE

Close the Gap

for three tenor saxophones
1990

Commissioned by XASAX - Ensemble de saxophones modulable (Paris)

Dedicated to Marcus Weiss



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Karlheinz Essl: Close the Gap (1990)
for three tenor saxophones

Performed by XASAX - Ensemble de saxophones modulable



Programmnotiz

Christian Scheib charakterisiert in einer Studie über den Komponisten Karlheinz Essl dessen Musik wie folgt: "Essl schreibt eine Musik der stetigen Veränderung. Niemals steuert sie fixierte Zustände an, die an über längere Zeitstrecken gleichbleibenden Koordinaten festzumachen wären. Vom ersten Ton an befinden sie die Klangstrukturen in einem Strudel, einem spiralförmigen Sog, der sie unablässig verändert, um sie schließlich - wieder in einzelne Strukturelemente zerlegt und vom Erleben geprägt - aus seiner Bannkraft zu entlassen."

Essl, geboren 1960 in Wien, studierte an der Wiener Musikhochschule Tonsatz bei Alfred Uhl, Kontrabaß bei Heinrich Schneikart und Komposition bei Friedrich Cerha. Sein Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien schloß er 1989 mit einer Dissertation über "Das Synthese-Denken bei Anton Webern" ab.

Essl begann als Kontrabassist in verschiedenen Kammermusik und Jazzensembles. Parallel dazu setzte er sich mit mittelalterlicher Musik und Fragen der Aufführungspraxis auseinander. Besonderes Augenmerk gilt der Untersuchung über die Fomalisierbarkeit musikalischer Prozesse (Computer Aided Composition), die er theoretisch wie kompositorisch aufarbeitete. Schwerpunktmäßig beschäftigte er sich mit dem seriellen Denken (u. a. im Band 66 der Musik-Konzepte über Gottfried Michael Koenig). Seit 1990 ist er "Composer in Residence" bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik.

Prägend für Essl Komponieren ist die Arbeit mit dem Computer und die Beschäftigung mit der seriellen Poetik. Beide Arbeitsbereiche basieren auf einer sezierenden Denkweise, welche das Ereignis - den Klang - in seine Bestandteile zu zerlegen sucht. So faszinierte es Essl in seinem Hörstück Zungenreden (1990), daß durch die verschiedene Reihenfolge identischer Konsonanten unterschiedliche Klanggestalten entstehen. Dieses Prinzip beherrscht auch die sog. "Klangtypen-Polyphonie" von Close the Gap (1990). Elemente wie Zungen-Pizzikato, Flatterzunge, Triller oder Liegeklänge werden mittels eines Computerprogrammes zu einer Abfolge von Klangtypen kombiniert, die verschiedenartige Prozesse - mit Alban Berg gesprochen - "erleiden". Die Ausdehnung der anfangs nur rudimentären Klangtypen wird immer größer, bis sich die wahrnehmbaren Gestalten miteinander verknäueln und vielfältige Beziehungen eingehen.

Das auf den ersten Blick strenge Verfahren wird indes gebrochen, indem Essl in den anfallenden Zäsuren fremdes Material einschiebt, dessen homophoner Gleichschritt im Kontrast zu der Klangtypen-Polyphonie steht. Die anfänglich großen Gegensätze versuchen sich aneinander anzugleichen, doch kehren sich einzig die Verhältnisse um: am Ende wirkt die auslaufende Klangtypen-Polyphonie wie eingeschobenes Fremdmaterial.

Essl: "Diesem Aufeinanderprall völlig unterschiedlicher Strukturen galt mein besonderes Augenmerk. Das hat nicht nur einen rein kompositorischen Grund. Das, was sich in den letzten Monaten auf der Weltbühne abgespielt hat, läßt die Klüfte zwischen nicht kompatiblen Systemen und den daraus resultierenden Spannungen schmerzlich erlebbar werden. Angefangen hat es mit dem neuen Verhältnis von Ost und West, das weit mehr Probleme aufwirft, als wir es in der ersten Euphorie wahrhaben wollten. In der letzten Zeit ist aber der Nord-Süd-Konflikt virulent geworden. Was sich momentan am Golf abspielt erfüllt mich mit größter Sorge, um nicht zu sagen panischer Angst. Und ich denke, daß wir es uns einfach nicht erlauben dürfen, nichts dazu zu sagen. Muß es nicht darum gehen, die Spalten zu schließen, die Ungerechtigkeiten auszumerzen, selbst wenn es auf unsere eigenen Kosten geht? Ist das nicht die einzige Möglichkeit, daß wir alle überleben? In meinem Stück scheitert dieses Bemühen: die gegenseitigen Annäherungsversuche der Strukturen nivellieren sich gegenseitig und schlagen um ins diffuse Grau. Eine letzte, röchelnde Gebärde, ein letzter verzweifelter Ausbruchsversuch..." (Januar 1991)

© by Christoph Becher (1991)

Programmhefttext zur Uraufführung am 28.4.1991
im Wiener Konzerthaus durch das Ensemble XASAX (Paris)


Score

The score of Close the Gap can be downloaded for free. Please note that the music is protected by copyright.


Close the Gap, page 1

Close the Gap, page 1
© 1990-2015 by Karlheinz Essl



Video

Final section of Close the Gap! performed by the Vienna Saxophone Quartet
GlobART Academy 2009, Portrait concert Karlheinz Essl
Pernegg, 20 Aug 2009


Recordings


Literature



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Updated: 11 Nov 2015