Karlheinz Essl

Portrait KHE

Cross the Border

for saxophone, double bass, percussion and large ensemble
1994/95

Commissioned by the ensemble Klangforum Wien



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Karlheinz Essl: Cross the Border (1994/95)

Performed by Klangforum Wien, dir. Johannes Kalitzke
Salzburg Festival, Portrait Concert Karlheinz Essl (7 Aug 1997)



Diese Komposition entstand zwischen Herbst 1994 und Frühjahr 1995 aus Anlaß des 10jährigen Bestehens des Ensembles Klangforum Wien. Die Besetzungsangabe "für Solisten-Trio & Solisten-Ensemble" mutet vielleicht ein wenig merkwürdig an, denn gerade die hervorragenden Musiker des Klangforums haben gezeigt, daß die herkömmliche Unterscheidung zwischen Solisten und Tutti-Musiker hinfällig geworden ist: hier ist jeder Solist, hier agiert jeder als eigenverantwortlicher Musiker.

Dennoch verlangt diese Komposition neben dem Solisten-Ensemble auch ein Solisten-Trio (wenngleich die Musiker daraus wiederum aus dem Ensemble stammen sollen). Hier geht es nämlich um Grenzüberschreitungen, um das Aufbrechen von Konventionen und Schubladendenken. Jeder ist zwar Solist, zugleich aber auch Teil eines großen Gesamtensembles, das sich wiederum aus fünf individuellen Kollektiven zusammensetzt:

ein heterogenes Solistentrio aus

kontrastiert von vier homogenen Ensemblegruppen:

Aus dem Spannungsdreieck "Individuum (Solist) - Kollektiv (Sub-Ensemble) - Masse (Gesamt-Ensemble)" bezieht das Stück seine Lebensenergie, wobei sich aber diese Beziehungen im Laufe der Komposition ständig ändern. Die Funktionen der verschiedenen am Spiel beteiligten Partner sind nicht festgeschrieben, sondern einem stetigen prozessualen Wechsel unterworfen. Nichts setzt sich jemals auf Dauer fest, die Verhältnisse befinden sich in einem permanenten Zustand der Veränderung.

Zu Beginn präsentiert sich das Solisten-Trio allein: in einem veschmolzenen, erdenfernen Klang aus Multiphonics von Saxophon, Kontrabaß und TamTam, aus dem sich allmählich die einzelnen Instrumente als eigenständige Individuuen herausschälen. Auch das Ensemble zeigt sich zunächst von seiner anti-individuellen Seite: als transzendente Resonanzfelder, als Lichtreflexe und Schatten des Solisten-Trios.

Nach einer ersten Klimax ändern sich aber die Verhältnisse abrupt: nun interventiert das Solisten-Trio mit seinen kollektiven Einwürfen gegen das emsige Treiben des Ensembles und geht schließlich völlig in diesem auf, um zuletzt im Einklang mit ihm zu verschmelzen.

Doch darin steckt bereits der Keim der Auflösung. Aus dieser gedachten Mitte heraus beginnen sich nun die Sub-Kollektive des Solisten-Ensembles zu völlig verschiedenen Sprachwelten hin zu entwickeln. Aus einem kaum artikultierten Gestammel bilden sich nun charakteristische instrumententypische Gestalten und Sprachformen, die zuletzt aber wiederum in einen kollektiven Zustand münden: einen komplizierten zwölfstimmigen Proportionskanon, der zu einem undurchdringlichen Klanggestrüpp auswuchert.

An dieser Stelle beginnt sich nun zum ersten Male ein einziger gemeinsamer Zustand zu etablieren, an dem alle Instrumente gleichermaßen beteiligt sind: jeder wird schließlich zum Solisten - die Grenze ist nun endgültig überschritten. Nach und nach verschwinden die einzelnen Instrumente unbemerkt aus dem Ensemble, bis zuletzt nur mehr die Piccoloflöte im höchsten Register übrig bleibt, "geerdet" von der extremen Tieflage des herabgestimmten Kontrabasses.

© 1995 by Karlheinz Essl

Programmheft-Text anläßlich der Uraufführung 26.9.1995 in der Alten Oper Frankfurt durch das Ensemble Klangforum Wien; Dir: Johannes Kalitzke.


Score

The score of Cross the Border can be downloaded for free. Please note that the music is protected by copyright.


Cross the Border, page 13

Cross the Border, page 13
© 1995-2015 by Karlheinz Essl



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Updated: 26 Dec 2016