Karlheinz Essl

Portrait KHE

Detune

fragment for oboe and large orchestra
2009

Written for the 40th anniversary of the Radio-Symphonieorchester Wien


Basics | Instrumentation | CD | Performances



Partiturausschnitt aus Detune
© 2009 by Karlheinz Essl
  english The onset reminds of the tuning of an orchestra: the oboe intonates the chamber pitch A, which is then gradually taken on by the strings in different registers. A broad octave sound emerges, reminding one of Mahler. This ideal world does not last for long. The clear sound is disturbed by strident multiphonics and oscillating intonations of the brass, which is finally conferred to the strings: the individual instruments slowly slide away from their tuning to finally end up in a 50-voice cluster. The the 'catastrophe': The strings collapse, a tam-tam joins in noisily and finally covers the whole orchestra, which suddenly breaks off. Now a melody fragment in the oboe emerges - shamefacedly - from the echo.

This one-minute fragment for orchestra came into being on Pentecost Monday 2009, after I had dreamt this piece in the night before.


Detune performed by Radiosymphonieorchester Wien, conducted by Karlheinz Essl
28 Sep 2009


deutsch Eine jedem Konzertbesucher vertraute Situation ist das Einstimmen des Orchesters: Der Oboist spielt den Kammerton A, der von den Orchesterinstrumenten (beginnend mit den Streichern) nach und nach übernommen wird und sich dann durch die verschiedenen Instrumentengruppen fortpflanzt. Dabei wird der anfänglich reine Ton immer mehr von verschiedenen Nebentönen überdeckt, sodass zuletzt die paradoxe Situation eintritt, dass trotz zunehmenden Ton-Chaos' das Orchester sich perfekt aufeinander einstimmt.

Der Beginn meines Orchesterfragmentes Detune läßt zunächst an das bekannte Einstimmen des Orchesters denken. Ungewöhnlich ist, dass sich der Oboist von seinem Sitz erhebt, ehe er den Stimmton intoniert, und sich dabei als Solisten outet. Peu-à-peu übernehmen die zweiten Geigen diesen Ton, die anderen Streicher setzen nacheinander in verschiedenen Registern ein, bis sich am Schluß ein über 7 Oktaven ausgespannter glänzender Streicherklang ausbreitet. Eine idyllische Situation, die an Wagner und Mahler denken läßt.

Dieser heilen Welt ist jedoch keine lange Dauer beschieden. Schon bevor sich der Oktavklang opulent in Szene setzt, machen sich in den Bläsern kleine Störungen bemerkbar. Diese greifen immer mehr um sich und trüben den anfänglichen Reinklang durch schrille Multiphonics in den Holzbläsern, die von der Oboe initiiert werden. Dies zeitigt Auswirkungen auf die Streicher: Die festgemeiselten Oktavsäulen beginnen zu wanken und fallen in sich zusammen, wenn die einzelnen Streichinstrumente ihre Intonation verlieren und langsam aus der Stimmung gleiten, um schlußendlich in einen 50stimmigen Cluster zu münden, der sich wie ein Nebelwand aufrichtet. Während dieses Vorganges verliert auch das Blech seine anfängliche Contenance. Halbtonglissandi der Hörner verwandeln den Oktavklang zu Septimenschichtungen; die Spreizung dieser Glissandi in den Posaunen bringt neue Intervalle ins Spiel. Dies führt schließlich zu einem Zwölftonakkord, in den zuletzt auch die Trompeten einstimmen.

Dann aber die "Katastrophe": Der Streicher-Cluster schwillt an, ein Tamtam gesellt sich lärmend dazu und überdeckt das ganze Orchester, welches jäh abreißt. Aus dem langsam abebbenden Nachklang schält sich zuletzt - ganz verschämt - ein Melodiefragment der Oboe heraus.

Dieses einminütige Orchesterfragment entstand am Pfingstmontag des Jahres 2009, nachdem ich in der Nacht davor das Stück geträumt hatte.


Instrumentation

3 Flöten (3. auch Altflöte)
1 Oboe
2 Klarinetten in Bb
1 Bassklarinette in Bb
2 Fagotte
1 Kontrafagott
4 Hörner in F/Bb
3 Trompeten in C
3 Bassposaunen in Bb/F
1 Kontrabasstuba in Bb

3 Schlagzeuger
1: Röhrenglocken
2: Vibraphon, TamTam
3: Pauke, Gran Cassa

14 Violinen 1mo
12 Violinen 2do
10 Violen
8 Violoncelli
6 Kontrabässe
1-3: 4-Saiter
4-6: 5-Saiter



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Updated: 6 Mar 2016