Karlheinz Essl

Portrait KHE


...et consumimur igni

for three spatially distributed ensemble groups
1989/90

Commissioned by the festival musikprotokoll '90 (Graz) for the Ensemble Modern (Frankfurt)


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...et consumimur igni (1989/90)
Live recording of the premier at the festival Musikprotokoll 1990
Ensemble Modern, conducted by Peter Eötvös


"Mich fasziniert, daß alles begründbarauseinander hervorgeht, und doch so irrational ist, daß kaum eine Vorausprojektion möglich ist", sagt Karlheinz Essl über die Musik Alban Bergs, und beschreibt damit zugleich ein Charakteristikum seiner eigenen kompositorischen Absicht.

"Kitab al-ilal", das "Buch der Ursachen", nannten vor zwölfhundert Jahren arabische Autoren eine Abhandlung über die Alchemie. Das Erstellen von kompositorischen Mechanismen, die ursächlichen Zusammenhängen während des ständigen Fortschreitens und Verwandelns einen hohen Stellenwert beimessen einerseits, der (alchemistische) Wunsch nach der Umwandlung und Reinigung von Elementen und das (chemische) Wissen um die dabei entstehenden Nebenprodukte andrerseits lassen sich als bestimmende Faktoren der Arbeit des Komponisten Karlheinz Essl beschreiben.

Mit Peitschenknallen, metallischen Perkussionsklängen und tonlos luftigem Spiel der Bläser beginnt ...et consumimur igni, mit geräuschhaften Klängen ohne definierte Tonhöhe. Die daraus hervorwachsenden Prozesse tendieren mit wechselnder Geschwindigkeit und Intensität zu einer als Gegenpol verstandenen, reinen und tonhöhenfixierten Klangcharakteristik.

In drei Ensemble-Gruppen laufen diese Entwicklungen parallel ab, doch mit jeweils eigenem Zeitempfinden, sich auseinander bewegend, aneinander herantastend, überholend. Ein Zeit-Raum entsteht, in dem die zeitlichen Verschiebungen die Koordinaten des klingenden Raumes ergeben, der seinerseits wieder zur Bedingung für die erzählerische Essenz des Stückes wird.

Der reine Klang mit fixierter Tonhöhe in seiner raumgreifenden Wirkung erscheint als eine der Stationen eines alchemistischen Weges, der vom Wandern und Pendeln zwischen Polen, zwischen Geräusch und Ton, zwischen Punkt und Fläche geprägt ist.

...et consumimur igni - "und werden vom Feuer verzehrt" - ist die zweite Hälfte eines rätselhaften Palindroms, das in seiner ganzen, von hinten nach vorne gelesenen Form vom kreisenden Gehen in der Nacht und der Reinigung durch das symbolhafte Bild des Feuers berichtet. Der Titel charakterisiert eine Komposition, im Laufe derer sich die Facetten komplexer Klangelemente in ständiger Bewegung verändern und erneuern.

© by Christian Scheib (1990)

Programmnotiz zur Uraufführung im Rahmen des Grazer "Musikprotokolls 90" in der Alten Remise mit dem Ensemble Modern unter der Leitung von Peter Eötvös.


Interview


CD



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Updated: 4 Sep 2015