Karlheinz Essl

Portrait KHE


ex machina

for 6 percussionists encircling the audience
2002

Commissioned by the Walter Buchebner Gesellschaft (Mürzzuschlag, Austria)


Beim 42-jährigen Karlheinz Essl wird das Kleine Haus zum Klang-Raum, zum Darstellungsraum für die deutsche Erstaufführung seiner Komposition "ex machina". Inspiriert von synthetischen Klangerzeugern und Dolby surround wechseln die handgemachten Schlagzeugimpulse von der Bühne in die mit Schlagzeugen ausstaffierten Ecken des Saales, auf ein erhöhtes Drummer-Podest vor der Empore und wieder zurück in die Tiefe der Bühne. Fasziniert lauscht man den effektvollen Wirkungen: Von rührenden Besen auf den Snare-Drums bis zu großen Wumms auf den Basstrommeln.

Delmenhorster Kreisblatt, 13.11.2002



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Karlheinz Essl: ex machina (2002)
Studio Percussion graz, Dir. Günter Meinhart


english

TRANSCENDENTAL MACHINES

Karlheinz Essl in conversation with Christian Utz talking about his new composition "ex machina" for the ensemble Studio Percussion graz (premier: Oct 26th, 2002) which has been commissioned by the Walter Buchebner Gesellschaft Mürzzuschlag.


Christian Utz: In your new work "ex machina" six percussionists encircle the audience. Why did you choose this spatial arrangement, and what effects does it have on the composition?

Karlheinz Essl: In "ex machina", I was primarily interested in movements of sound through space. Each of the six players has the same varied array of instruments, which means that identical sounds can move around in the room - and not just in circles, but in the most diverse of geometrical patterns. While composing this, I had in mind the image of a gears, a machine, whose mechanism initially appears simple, but becomes more and more complex, until it finally gets out of control.

The inspiration for this came from Jean Tinguely's machines, which I had seen in the Tinguely Museum in Basel. What interested me wasn't the mechanical aspect of a machine, but the sudden transition of the mechanical into a living, open situation, which is no longer predictable. This is why there are no repetitions in the piece, although there are cyclic processes. The events, however, are not repeated mechanically; they continually lead to new, unpredictable constellations.

Christian Utz: It seems to me, that the analogy to this process operates on two levels in your music: the gradual change of the instruments over the course of approximately 15 minutes, and the constant change of sound aggregates precipitated by the notation - the varied number of lines per player.

Karlheinz Essl: Initially, the instruments change from "typical" percussion instruments such as snare drum, bass drum with pedal and hi-hat, to more unconventional sound sources such as cow bells, "Knackfrosch", samba whistle - and finally - empty bottles which the musicians blow on to produce sounds of the same pitches. This process symbolizes the transition from the mechanical to the spiritual domain - ending with sounds that all represent breath (jew's harp, samba whistles, bottles).

The composition is made up of six parts, where one to six various sound aggregates appear, very much in line with a continuation of serial composition techniques. An aggregate, however, may contain a mixture of various instruments. What is most important, though, is that the six players produce an identical sound quality, so that the composed choreography can truly be felt by the audience.

Christian Utz: Why the title "ex machina", which calls to mind the "deus ex machina" of early operas?

Karlheinz Essl: The title can be understood in two ways: on one hand the music was born out of the thought of something mechanical ("machina"), but, on the other hand, I am interested in crossing beyond the purely mechanical, and so "deus ex machina" represents the transcendental, that which can no longer be controlled.



deutsch

TRANSZENDENTE MASCHINEN

Karlheinz Essl im Gespräch mit Christian Utz seine neue Komposition "ex machina" für das Schlagzeugensemble Studio Percussion graz (UA: 26.10.2002), einem Auftrag der Walter Buchebner Gesellschaft Mürzzuschlag.


Christian Utz: In Ihrem neuen Werk "ex machina" sind sechs Schlagzeuger kreisförmig um das Publikum herum angeordnet. Aus welchem Grund haben Sie diese räumliche Aufstellung gewählt und wie wirkt sich diese kompositorisch aus?

Karlheinz Essl: In "ex machina" habe ich mich ausführlich mit räumlichen Klangbewegungen beschäftigt. Alle sechs Spieler verfügen über das gleich Instrumentarium, so dass ein und derselbe Klang im Raum wandern kann und zwar nicht nur kreisförmig, sondern in den verschiedensten geometrischen Mustern. Ich hatte beim Komponieren die Vorstellung eines Räderwerkes, einer Maschine, deren Mechanismus zu Beginn sehr einfach wirkt, aber dann immer komplexer wird und in gewisser Weise außer Kontrolle gerät.

Die Anregung dazu kam durch die Maschinen Jean Tinguelys, die ich im Tinguely-Museum in Basel gesehen habe. Das Interessante daran ist für mich nicht der maschinelle, der mechanistische Aspekt, son-dern das Umschlagen des Mechanistischen in eine lebendige, offene Situation, die nicht mehr berechenbar ist. Damit hängt auch zusammen, dass es in diesem Stück keine Wiederholungen gibt, obwohl es sich durchaus um zyklische Abläufe handelt. Diese werden aber eben nicht mechanisch wiederholt, sondern führen zu immer neuen und unvorhersehbaren Konstellationen.

Christian Utz: Die Analogie zu diesem Prozess scheint mir in Ihrer Musik auf zwei Ebenen zu liegen: Der allmählichen Veränderung des Instrumentariums im Verlauf der ca. 15 Minuten und einem ständigen Wechsel der Klangaggregate, der sich auch in der Notation, der unterschiedlichen Anzahl an Linien pro Spieler, niederschlägt.

Karlheinz Essl: Das Instrumentarium entwickelt sich von "typischen" Schlaginstrumenten wie Snare-Drum, Bass-Drum mit Pedal und Hi-Hat am Anfang hin zu immer unkonventionelleren Klangerzeugern wie Kuhglocke, Knackfrosch, Samba Whistles und zum Schluss leeren Flaschen, auf denen die Musiker durch Blasen eine bestimmte Tonhöhe erzeugen. Dieser Prozess steht auch symbolisch für das erwähnte Umschlagen des Maschinellen in das Spirituelle - für das vor allem der Atem steht (Mundharmonika, Samba whistles, Flaschen).

Das Stück besteht aus sechs Teilen, in denen jeweils 1-6 verschiedene Klangaggregate vorkommen, durchaus im Sinne eines Weiterdenkens serieller Kompositionstechniken. Dabei kann ein Aggregat auch Mischungen verschiedener Instrumente enthalten. Wichtig ist vor allem, dass die sechs verschiedenen Spieler jedes Aggregat wirklich in exakt derselben Spielweise und mit exakt derselben Klangqualität hervorbringen, damit die auskomponierten räumlichen Bewegungen auch wirklich vom Publikum nachvollzogen werden können.

Christian Utz: Wie kommt es zum Titel 'ex machina', beim dem man ja zuerst an den "Deus ex machina" aus der frühen Geschichte der Oper denkt?

Karlheinz Essl: Der Titel ist doppeldeutig zu verstehen: Einerseits ist die Musik aus dem Gedanken an etwas Maschinenhaftes (machina) heraus entstanden, aber mein Interesse liegt eben genau im Überschreiten des rein Maschinellen. Der "Deus ex machina" steht für dieses Prinzip des Transzendenten, nicht mehr Kontrollierbaren.


Score

The score of ex machina can be downloaded for free. Please note that the music is protected by copyright.


ex-machina_p16

Karlheinz Essl: ex machina for 6 percussionists
page 16

© 2002 by Karlheinz Essl



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Updated: 25 Feb 2017