Karlheinz Essl

Portrait KHE

Hypostasis

for 3 percussion players
2010

Commissioned by Philipp Harnoncourt
Trinitätssymposion Graz 2011

1+1+1=1 Trinitätssymposion Graz 2011



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Hypostasis performed by Studio Percussion graz
Graz, Minoritensaal (19 Jun 2011)



Einführung

Schon seit jeher haben Komponisten versucht, das Unaussprechliche in Tönen auszudrücken und sich dabei in Welten jenseits des Klingenden begeben. Ähnliches widerfuhr mir, als mich Philipp Harnoncourt fragte, ob ich zu seinem 80. Geburtstag ein neues Werk schreiben wolle, das sich mit dem Geheimnis der Dreieinigkeit auseinandersetzt. Ohne Bedenken habe ich sofort zugesagt, und der Gedanke daran hat mich nicht eher losgelassen, bis dass die Komposition vollendet war.

Die drei Wesenheiten – Vater, Sohn und Heiliger Geist – erscheinen mir als unterschiedliche Erscheinungsformen des selben Urgrundes, die zusammen ein unteilbares Ganzes bilden: GOTT. Wie lässt sich dies nun kompositorisch umsetzen, ohne in Trivialitäten abzugleiten?

Wenn ich durch meine Skizzen blättere, die unmittelbar nach unserem ersten Gespräch entstanden, finde ich dort verschiedenartige Ansätze, die Zahl 3 zum Ausgangspunkt kombinatorischer Experimente zu machen. Dabei erinnerte ich mich an Ramon Llull, dem großen katalanischen Gelehrten des 13. Jahrhunderts, der in seiner Ars Magna die Eigenschaften Gottes mit einer Kombinationsmaschine zu ergründen suchte.

Ähnliches versuchte ich auch hier. Ausgehend von einem Ensemble aus drei Schlagzeugern, die im Raum verteilt die Eckpunkte eines gleichseitigen Dreiecks beschreiben, teilte ich die Schlaginstrumente in drei Familien ein: Fell, Metall und Holz. Jede dieser Instrumentenfamilien repräsentiert sich nun in drei unterschiedlichen Klangspektren: harmonisch, inharmonisch und unharmonisch – also in drei Abstufungen zwischen Klang und Geräusch. Aus dieser Matrix von 3x3 Kombinationsmöglichkeiten wählte ich die in Frage kommenden Instrumente für mein Stück aus:


Fell, harmonisch Pauke
Fell, unharmonisch Conga
Fell, inharmonisch Große Trommel

Metall, harmonisch Vibraphon
Metall, unharmonisch Röhrenglocken
Metall, inharmonisch TamTam

Holz, harmonisch Marimba
Holz, unharmonisch Tempelblocks
Holz, inharmonisch Guero


Diese sind aber ungleichmäßig zwischen den drei Spielern verteilt: Jeder Musiker hat eine Pedal-Pauke, ein Set von Röhrenglocken und ein Guero. Dann gibt es wieder Instrumente, die überhaupt nur einmal im Ensemble vertreten sind, wie Conga, TamTam und Marimba. Hingegen werden Große Trommel, Vibraphon und Tempelblock von jeweils zwei Musikern verwendet. Durch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Instrumente im Ensemble wollte ich die verschiedenen Erscheinungsformen der Dreieinigkeit – ihre individuelle Hypostasis – zum Ausdruck bringen.

Aber auch in vielen anderen Aspekten durchzieht die Dreizahl mein ganzes Stück: Es besteht aus drei Teilen (überbeschrieben mit: qui cum patre – et filio – simul adoratur), die jeweils in drei Unterabschnitte gegliedert sind. Ebenso wie die Mischungsverhältnisse der einzelnen Klangwerte und ihre Abfolgen verdankt sich auch die rhythmische und zeitliche Organisation der Klänge dem Trinitätsgedanken.

Zuletzt flossen all diese Überlegungen in ein Computerprogramm zusammen, das ich in einer schlaflosen Nacht schrieb. Es generierte mir ein Formskelett, welches ich in den folgenden Tagen und Wochen mit großer Hingabe in Partiturform übersetzte. Dabei hatte ich immer wieder das Gefühl, als würde sich dieses Stück wie von selbst schreiben; als wären Hand und Gedanken just von jener Macht gelenkt, die ich mit meinen bescheidenen Mitteln zu verherrlichen suchte.


Trinity diagram


Instrumente

Die 3 Schlagzeuger sollten möglichst in einem gleichseitigen Dreieck (sic!) um das Publikum herum aufgestellt werden. Falls dies nicht möglich ist, können die drei Spieler in einem gedachten Halbkreis auf einer Bühne stehen: Spieler A links vorne, Spieler B rechts vorne, Spieler C Mitte hinten.

Das Pedal des Vibraphons muss fixiert sein, so dass es immer nachklingt. Das Dämpfungspedal der Röhrenglocken wird niemals betätigt – die Glocken sollen immer ausschwingen und werden nie gedämpft.


Instrumente für Hypostasis


Video

Hypostasis premiered by Studio Percussion graz
Minoritensaal Graz (19 Jun 2011)


Score

The score of Hypostasis can be downloaded for free. Please note that the music is protected by copyright.

Hypostasis, page 4

Hypostasis, page 4
Hypostasis, page 4 & 5
© 2010 by Karlheinz Essl



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Updated: 25 Feb 2017