Karlheinz Essl

Portrait KHE

imagination

Musik für ein Papiertheater
2015

Commissioned by Ulrich Chmel


Basics | Szenen | Making of... | Literatur | Performances | Reviews


Auf einer winzigen Bühne, die an ein Kasperltheater erinnert, werden berühmte Bilder von KünstlerInnen wie René Matisse, Piet Mondrian, Niki de Saint-Phalle, Alex Katz, Daniel Spoerri in Einzelteile zerlegt, verwandelt und zum Verschwinden gebracht. Figuren und Objekte in glühenden Farben schweben durch den dunklen Raum und setzen sich zu immer neuen Formen zusammen. Zu den bewegten Bildern von Ulrich Chmel hat Karlheinz Essl eindrucksvolle Musik komponiert, mit der nicht nur der Geist, sondern auch die Gefühle des Publikums erreicht werden. In diesem Stück wird die Gelegenheit geboten, Sichtweisen zu ändern und festen Vorstellungen von bekannten Dingen zu hinterfragen.



Auszug aus imagination:
"Der Mann mit dem Hut" (nach Magritte)



Szenen des Stücks


ERÖFFNUNG
Das Stück beginnt mit Kurzzitaten der nachfolgenden Episoden. Eine Figur, die aus dem Triardischen Ballett von Oskar Schlemmer stammen könnte, paradiert über die Vorbühne und bringt Figuren und Formen der Episoden zum Vorschein, wie sie in den folgenden etwa 40 Minuten auf der Bühne imaginiert werden. Über diesem Geschehen „erglüht“ schließlich der Titel imagination. Nach dem verlöschen der Schrift entschwinden auch die Ankündigungsfiguren. Der Zuseher erkennt am Bühnenhintergrund eine Uhr, die während des Stückes unablässig an die Vergänglichkeit erinnert und zugleich als einzig berechenbare Konstante unter diesen sich andauernd verändernden Bildern erscheint.



FALLENBILD
Die Transformation eines Fallenbildes von Daniel Spoerri erinnert uns daran, daß dieses Objekt auch vor und nach seiner Fixierung in anderen Anordnungen existiert. Wir erleben aber auch eine sehr wirkungsvolle Änderung der Sichtweise. Ein Fallenbild von Daniel Spoerri zeigt einen von der Tischgesellschaft verlassenen Eßtisch, welcher in einer Zeitfalle für die Nachwelt konserviert wurde. Daraus wird eine symbolhafte 1. Episode gestaltet, die zeigen soll, dass alles seinen Anfang und sein Ende hat.

Der Zuseher entdeckt eine durch den Raum schwebende Anordnung von Tellern, Gläsern, einer Karaffe und Bestecken. Während des Vorübergleitens ist der Betrachter damit beschäftigt, die einzelnen Teile dieser Gruppe wahrzunehmen.

Aus dem Ort des Verschwindens dieser Gruppe kommt nun das bekannte Fallenbild und wird dem Publikum präsentiert. Danach beginnt eine Verwandlung. Aus der Vogelschau entsteht eine horizontale und sehr räumliche Ansicht dieses Fallenbildes, die für den Zuschauer bislang unbekannt war. Doch auch dieses Stadium verändert sich nochmals in die bekannte Perspektive, die aber letztlich entschwindet und zu guter Letzt einen Scherbenhaufen zurückläßt. Die Zerbrechlichkeit alles Irdischen wird auf diese Weise verdeutlicht, bis auch dieser Scherbenhaufen im Schwarz der Bühne verschwindet.



BILDRISS
Helmut Magreiters philosophische Bilder führen oftmals zur Erkenntnis, daß sich alles zum Nichts hin bewegt. Mit dem Werk “Bildriss“ wird Kommen und Vergehen, bis zur blitzartigen Auflösung in der Farbe Weiß imaginiert.



NANA
"Alle Macht den Nanas" proklamierte Niki de Saint Phalle. Zahlreiche Nanas bevölkern heutzutage Ausstellungen und Skulpturenparks auf der ganzen Welt. Eine feuerrote NANA erscheint auf unserer Bühne gleitend, fliegend und tanzend, sich ständig verändernd.



DER MANN MIT DEM HUT
Bildzitate aus dem berühmten Mann mit dem Hut von René Magritte erinnern uns zunächst an dieses Kunstwerk. Seine Einzelteile werden zum Ganzen zusammen geführt, jedoch aber sehr bald wieder dekonstruiert. Dennoch bleibt die wesentliche Aussage des Bildes zunächst erhalten, um sich letzten Endes dann doch wieder aufzulösen.



KOMPOSITION MIT ROT
Piet Mondrians Komposition mit Rot hat unsere Alltagswelt sehr populär auf Gebrauchsund Einrichtungsgegenständen erreicht. In imagination erleben wir nicht nur die Konstruktion dieser Komposition. Mit einer plötzlichen Intervention wird das streng formale Bild aufgelöst und zum Verschwinden gebracht.



THE BLACK HAT
Aus dem Dunkel der Bühne erscheinen die Umrisse eines eleganten großen Damenhutes. Die Dame fügt sich erst später in das Bild, in welchem wir The Black Hat von Alex Katz zu erkennen glauben. Doch die Farben sind dem Prozess der Veränderung unterworfen. Letztlich entweicht auch der Kopf der eleganten Dame um abschließend, der Schwerkraft trotzend, kopfüber zu entfliehen.



DIE UHR
Das gesamte Geschehen über werden wir von einem sich ständig bewegenden Zeiger einer Uhr begleitet. Symbol der Beständigkeit in diesen sich andauernd verändernden Bilder und andererseits aber auch stets vorantreibender Motor der Veränderungen.




Making of...


Bereits bei Beginn die Arbeit hatte ich die Idee, als Musik zum Stück Klaviermusik von Eric Satie zu verwenden. Ich dachte, diese Art der Musik unterstreicht das zauberhafte Geschehen auf der Bühne besonders gut. Es kam aber anders. Ein Zufall wollte es Musik von Karlheinz Essl kennenzulernen. Es waren ”free downloads” auf seiner Website, mit dem Titel Klingeltöne. Da wusste ich sofort, das ist die Musik, die wie maß geschneidert ist für dieses Geschehen auf der schwarzen Bühne. Karlheinz Essl der an der Wiener Musikuniversität ”experimentelle und elektronische Musik” unterrichtet, war von der Idee begeistert und übernahm den Kompositionsauftrag für imagination.

Ich gab dem Stück eine Klammer: ein sich stets bewegender Sekundenzeiger. An der Bühnenrückseite, ebenfalls mit weißer und roter Leuchtfarbe ausgestattet läuft er synchron mit der Musik, welche den Takt des Zeigers aufnimmt. Diese ”Uhr” ist treibendes Element und Symbol der Kontinuität in dieser andauernden Veränderung. Karlheinz Essl hat das Motiv der Uhr, so quasi leitmotivisch durch das gesamte Stück gezogen. Jede Episode hat von Essl eine eigene unverwechselbare Komposition erhalten und doch erscheint das Gesamte als Einheit von Bild und Musik.

Ulrich Chmel
www.papiertheater.at



Ulrich Chmel Die Bühne des Papiertheaters
Niki de Saint-Phalle: Nana Magritte: Der Mann mit dem Hut





Literatur




Home Works Sounds Texts Concerts


Updated: 11 Aug 2016