Karlheinz Essl

Portrait KHE

Leimung

sound/video/performance
2006


Basics | Performances | Visuals


Akustische und visuelle Objets trouvés werden im Zuge einer Live-Performance in ekstatische Klang- und Bilderfluten transformiert, wobei die semantischen Widersprüche und Gegensätze sich rauschhaft aufzulösen beginnen.


Ausschnitt aus dem echtzeit-generiertem Visual zu Leimung
© 2005-2006 by Karlheinz Essl

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Als Ausgangspunkt zur Entwicklung seiner Projekte dient Karlheinz Essl häufig eine sinnliche Vorstellung. Der nächste Schritt besteht darin, Metaphern zu finden – im technisch-musikalischen Bereich spricht man von „Algorithmen“– welche die erträumte Klanglichkeit zu erzeugen vermögen. Das subtile Zusammenspiel von freier Assoziation, partiell kontrolliertem Zufall und Strukturierung ist typisch für Essls Arbeitsweise.

„Leimung“, eine Komposition, die der Künstler für die Tagung "Collage, Found Footage und Sampling in der postmedialen Situation" im Künstlerhaus Wien (Konzept: Gabriele Jutz) ersonnen hat, ist Augen- und Ohrenmusik in gleicher Weise. Als visuelles Material kommen Fotos zum Einsatz (Abstraktes, Gegenständliches und Schrift), die durch einen algorithmischen Zufallsgenerator zu einer bewegten Bildcollage zusammengefügt werden. Der dergestalt generierte „Film“ entsteht genau im Augenblick seiner Aufführung und existiert in seiner jeweiligen Konfiguration nur ein einziges Mal. Essls Tonmaterial besteht aus Fundstücken, akustischen objets trouvés, was sowohl als Bezugnahme auf die kubistische Collage mit ihren eingefügten Realitätsfragmenten als auch auf die Tradition der "musique concrète verstanden werden darf.

Der Titel des Stücks spielt auf den verwendeten Klebstoff, den Akt des Zusammenklebens an, der für das handwerkliche Verfahren der Collage eine zentrale Rolle spielt. Er ruft jedoch auch Assoziationen wie „jemandem auf den Leim gehen“ oder „jemanden betrügen“ auf. In seiner ephemeren Ereignishaftigkeit ist Essls Performance das Gegenteil dessen, was üblicherweise mit Film-und Tonaufnahmen verbunden wird: eine beliebig reproduzierbare Konserve, immer und überall abspielbereit. Lassen wir uns also nicht täuschen: Selbst wenn die Speichermedien des analogen und mehr noch jene des digitalen Zeitalters gleichsam mit einem Ewigkeitsanspruch angetreten sind, stellt „Leimung“ die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit unserer Bild- und Tonwelten unter Beweis. Anstatt Monumente für die Ewigkeit zu schaffen, erfüllt sich Essls Performance in einem opferartigen Akt, einer großzügigen Geste der Verschwendung.

© 2006 by Gabriele Jutz



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Updated: 15 Feb 2007