Karlheinz Essl

Portrait KHE

Rouge de Rouge

electronic sound performance for a series of 100 wine paintings by Josef Trattner
2005


Basics | Listen | Performances | Release



Josef Trattner: w/farben - Gaberinza 2003, Gernot u. Heike Heinrichs, Gols Josef Trattner: w/farben - Salento Primitivo 2002, Cantine Due Palmi

Details aus Josef Trattners Zyklus: WEIN FARBE ROT


Innerhalb eines Jahres hat der Wiener Künstler Josef Trattner einen beeindruckenden Werkblock von 100 großformatigen Papierarbeiten namens WEIN FARBE ROT geschaffen, die nicht mit Farbe, sondern mit Rotwein gemalt wurden. In einem langwierigen Prozess wurde für jedes Bild eine Flasche Wein in vielen Arbeitsschrittenn auf saugfähigen Karton getropft. Daraus entstanden schließlich monochrome, in ihrer Farbigkeit und Struktur jedoch äußerst unterschiedliche Gemälde.

Der Komponist Karlheinz Essl hat Josef Trattners Weinarbeiten von Anfang an begleitet und war Zeuge ihres Entstehungsprozesses. Nicht nur, dass er dafür die beste Flasche seines Kellers (einen alten Bordeaux) zur Verfügung gestellt hatte, auch kompositorisch hat ihn dieses Thema inspiriert: der alchymische Vorgang der Wandlung von der Traube hin zum Wein, der Prozess der Gärung und Reifung, die unendlichen Façetten des Geschmacks und der Farben. Dieses Faszinosum kulminierte schließlich in der Sound-Performance Rouge de Rouge, die der Komponist für sein selbstentwickeltes Computerinstrument m@ze°2 geschrieben hat und auf diesem selbst aufführt.

Dieses Werk führt den Hörer gleichsam in das Innere eines Gärfasses: aus anfänglichem Tropfen und Gluckern kristallisieren sich nach und nach musikalische Gestalten heraus, in denen etwas von der morbiden Wiener Weinseeligkeit anklingt. Aus dieser grotesken Heurigenstimmung hebt sich schließlich der Gesang eines Countertenors hervor, der ein sprachloses Loblied auf den Wein und seine Farbpracht intoniert.


Released 2007 on Karlheinz Essl's album SNDT®X


Florian Steininger
Zu Josef Trattners Bildzyklus WEIN FARBE ROT

Josef Trattners jüngst entstandener Werkblock der getropften Weinbilder ist sowohl als Konglomerat abstrakter Bilder voll sinnlicher Ästhetik als auch als Teil eines "aktionistischen" gesellschafts-kommunikativen Ganzen zu verstehen:

Trattners Malwerkzeug ist die Flasche, die Farbe das gekelterte Substrat der reifen Weintrauben aus Gols, der Toskana oder aus Bordeaux. Behutsam beträufelt der Künstler das Weiß des auf den Boden ausgebreiteten Papiers. Inseln von Weinflecken verdichten, verdunkeln sich, greifen ineinander und bilden ein feines rhythmisches Netz über die gesamte Fläche. Trattners Malprozess ist stets behutsam und gezielt eingesetzt, tendenziell vergleichbar mit Pollocks Technik des Drippings. Trotz der Distanz zwischen Bildträger und Malwerkzeug, ist der Zufall beim Schütten möglichst gering gehalten: also keine expressiv-aktionistischen Gesten in der Manier von Hermann Nitsch, sondern den Arbeitsvorgang an die Beschaffenheit der Farbmaterie orientiert: das Tropfen des dünnflüssigen Industrielacks aus der Dose bei Pollock oder das sensitive Schütten des Weins aus der Flasche bei Trattner. Der Künstler bestimmt, wie sich der Wein verteilt, ohne Absicht auf spektakuläre Spuren im Sinne des schöpferischen Duktus. Er steuert ein gleichmäßiges Erscheinungsbild mit nuancierten Unterschieden von Blatt zu Blatt an, wobei die Qualität der abstrakten monochromen Fläche eine zentrale Rolle spielt. (...)



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Updated: 16 Jul 2014