Karlheinz Essl

Portrait KHE


Rudiments

for 4 spatially distributed snare drums
1989/90

Commissioned by the Konzerthaus Vienna for the ensemble "Les Guetteurs des Sons" (Vienna)


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Rudiments can be regarded as “electronic music” played by four acoustic snare drums which are positioned around the audience. As their individual sound structures melt together during the performance, those four drums are creating a vivid three-dimensional sound organism that is spread out over the entire concert space, capturing the ears of the listeners. Without any electro-acoustic means, a surround sound environment is created solely by four simple snare drums.


Werkkommentar

Ausgangspunkt dieser Komposition waren die Trommelklänge selbst und der Versuch, ihre mikroskopische Klangstruktur in größere Zeitbereiche zu projizieren. Klang, Struktur und Form - ursprünglich klar voneinander geschiedene kompositorische Dimensionen - werden hier als "Rhythmus" in verschiedenen Zeitbereichen aufgefaßt.

Zur Veranschaulichung möge der Anfang des Stückes dienen: man hört einen sehr leisen Trommelwirbel, der als kontinuierliche Klangfläche wahrgenommen wird. Deren innere Struktur besteht aus einer sehr schnellen Pulsation, die als solche aber nicht gehört werden kann. Verlangsamt man diesen Wirbel, tritt das Phänomen der Pulsation deutlicher hervor, verlangsamt man nun auch diese, erscheinen zuletzt isolierte Einzelimpulse. Diese drei rudimentären Grundtypen, die ich als Fläche, Gitter und Punkte bezeichne, liegen dem ganzen Stück zugrunde. Sie sind Projektionen desselben Vorganges in verschiedene Zeitbereiche, Aggregatzuständen vergleichbar. Die elementare Verwandtschaft dieser Grundtypen ermöglicht jede Art von Übergängen, Durchdringungen und Kombinationen: Punkte verdichten sich zu Gittern, die in Flächen umschlagen, aus denen sich Punkte herauslösen etc.

Im Verlaufe der Komposition entfalten sich nun die verschiedenen Aspekte des Trommelklanges. Die Durchdringungen der einzelnen "rudiments" führen zur Bildung neuartiger Klangresultate, die Konsequenzen für den weiteren Verlauf zeitigen. Bereits Entwickeltes vererbt seine Eigenschaften an noch Unentfaltetes, Keimhaftes und lebt so - gewissermaßen vergeistigt, als Kraftpotential - weiter. Elementare Zeitverläufe wie das Beschleunigen, Verharren und Verlangsamen prägen die Abläufe der einzelnen Stimmen. Durch die räumliche Trennung der Instrumente werden die zeitlich-rhythmischen Vorgänge in den Raum projiziert. Dabei vernetzen sich die einzelnen Klangpartikel zu einem übergeordneten Ganzen - einem im Raum schwebenden Klang-Organismus, der sich fortwährend verändert, neu bildet und in Frage stellt. So weist diese Komposition über ihre hermetische Klangwelt hinaus und wird zu einer Metapher: zum Symbol des Lebendigen.

NB: Die Anregung für Rudiments verdanke ich Gesprächen mit Jack Hauser während einer mehrtätigen Winterwanderung durch das nördliche Waldviertel. Ihm ist dieses Werk gewidmet.

© 1995 by Karlheinz Essl

Programmheft-Text anläßlich der Uraufführung am 21 Mar 1990 im Wiener Konzerthaus durch das Ensemble Les Guetteurs des Sons unter der Leitung von Heinz-Karl Gruber


Score

The score of Rudiments can be downloaded for free. Please note that the music is protected by copyright.


Rudiments: page 7 of the score

Rudiments, page 7
© 1989-2015 by Karlheinz Essl


Listen

Karlheinz Essl: Rudiments (1989/90)
Recorded live by Les Guetteurs des Sons (dir. Heinz-Karl Gruber) at Konzerthaus Vienna (1990)
Released on Karlheinz Essl's CD Rudiments (1995)


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Updated: 25 Feb 2017