Karlheinz Essl

Portrait KHE

Where's the Rainbow?

sound environment for the photo exhibition The Last Day by Helmut Wimmer
2017

Kunsthistorisches Museum Wien, Bassano-Saal
März bis Dezember 2018


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HelmutWimmer-Brandung

Helmut Wimmer, Brandung (2017)


Darum soll mein Bogen in den Wolken sein,
daß ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund
zwischen Gott und allen lebendigen Seelen
in allem Fleisch, das auf Erden ist.


Genesis 9, 16



Zwischen 1620-1636 malte Peter Paul Rubens seine Gewitterlandschaft , die er ganz ohne Auftrag schuf und immer wieder überarbeitete. Dieses Bild erzählt die Geschichte von Philemon und Baucis, wie sie Ovid in seinen Metamorphosen überliefert hat. Ein altes Ehepaar erhält überraschend Besuch von den als Wanderer verkleideten Göttern Jupiter und Merkur, denen niemand Unterkunft gewähren wollte. Ungeachtet ihrer Herkunft werden die beiden Fremdlinge aber von den armen Alten reichlich bewirtet und liebevoll beherbergt. Als Dank dafür verschonen die Götter die beiden vor der Vernichtung, die Tags darauf als Sintflut über die Welt hereinbricht und alles Leben auslöscht.

Nur eine kleine Figurengruppe verweist auf diese Fabel. Hauptthema des Bildes ist die entfesselte Natur mit ihrer ungezähmten, nicht kontrollierbaren Macht: Blitz und Donner; Regen und Sturm; ein Sturzbach, in dem eine brüllende Kuh verendet; eine Mutter, die verzweifelt ihren Säugling zu retten versucht. Eine apokalyptische Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Und dennoch findet sich auch ein Zeichen des Trostes. In der linken unteren Bildecke sieht man einen Regenbogen...

„Somewhere over the rainbow, way up high” singt Judy Garland in dem berühmten Film The Wizard of Oz (1939) und beschwört darin die Hoffnung auf eine fröhliche, farbenfrohe Wunderwelt jenseits des damals dräuenden Weltkrieges.

Gerade heute, in Zeiten der Flüchtlingsströme, des Klimawandels und der nuklearen Bedrohung, hat uns dieses Bild noch so manches zu sagen. Als Warnung, aber auch als Botschaft der Hoffnung.


rubens-gewitterlandschaft

Peter Paul Rubens: Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis (ca. 1620-1636)
© Kunsthistorisches Museum Wien


Für das Theaterprojekt Ganymed Nature hat sich der Komponist Karlheinz Essl intensiv mit Rubens "Gewitterlandschaft" beschäftigt und dafür eine immersive Klanglandschaft geschaffen, die derzeit die Fotoausstellung The Last Day von Helmut Wimmer im Bassanosaal des Kunsthistorischen Museums begleitet. Sie basiert auf algorithmisch generierten Klängen von Natur- und Wetterphänomenen: Wald und Wind; ein Bach, der zur Flut anschwillt; Donner und Blitz. Dazu Klänge, die auf Menschliches verweisen: raschelnde Schritte durch das Laub, die sich allmählich in High Heels verwandeln, mit denen eine Frau über den Asphalt stöckelt. Und dann noch Signale: die Sturmglocke und ein daraus abgeleitetes Klangband, das den Glockenton ins Unendliche fortspinnt.

Über allem aber schwebt die Posie des Regenbogens; die Verheißung der Erlösung, ein Hoffnungsschimmer. Dafür hat Essl mit dem A-capella-Chor Tulln zusammengearbeitet und mit ihm Akkordstrukturen aufgenommen, die elektronisch transformiert werden. Die angedeuteten Melodiefragmente erinnern zwar an den bekannten Rainbow-Song, erscheinen aber in einer eigentümlichen harmonischen Verkleidung, die Luft von anderen Planeten erahnen läßt.

Für das KUNSTRADIO hat Essl eine eigene 49-minütige Mehrkanalfassung komponiert, die am 13.5.2018 zwischen 23.03-24:00 Uhr in Kunstkopf-Stereophonie gesendet wird. Es empfielt sich, diesem Stück mit Kopfhörern zu lauschen, um ganz in den immersiven Klangwelten zu versinken.


Listen



Score

wheres-the-rainbow_GUI

Karlheinz Essl: Where's the Rainbow? - Software & Realization Score (p. 6)
© 2017 by Karlheinz Essl


Literatur

Auf der Suche nach dem Regenbogen
Karlheinz Essl im Gespräch mit der Regisseurin Jacqueline Kornmüller über seine kompositorischen Beiträge zum Projekt Ganymed Nature im Kunsthistorischen Museum Wien
in: Booklet zu Helmut Wimmers Fotoausstellung The Last Day, KHM 2018


KUNSTRADIO

Where's the Rainbow? (2017)
Immersives Klangenviroment für das Theaterprojekt GANYMED NATURE im Kunsthistorischen Museum Wien,
inspiriert von Peter Paul Rubens Gewittersturm und Helmut Wimmers Fotoausstellung The Last Day

13 May 2018, 23:05-24:00
Radiosender Ö1
Eine Produktion des ORF Kunstradios im binauralen "Kunstkopf" Surround Sound
Gestaltung: Elisabeth Zimmermann



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Updated: 16 Apr 2018

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